Wirtschaft : Nichts ist überstanden

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Von Dieter Fockenbrock

Die Hälfte der Wirtschaft ist Psychologie, lautet eine altbekannte Regel. Mindestens, könnte man ergänzen, denn zur Zeit regiert die Irrationalität – eindeutig. Fakten spielen keine Rolle. Wer gehofft hatte, dass nach dem 11. September 2002 alles überstanden wäre, hat sich schwer vertan. Kein Aufatmen bei den Börsianern, keine Erleichterung bei den Konjunkturgurus. Im Gegenteil. Die Finanzmärkte bleiben am Boden, ein Wirtschaftsaufschwung rückt in immer weitere Ferne.

Über Monate starrten alle wie gebannt auf das magische Datum. Aus Angst vor weiteren Terroranschlägen traute sich kein Investor, Aktien zu kaufen, die Kurse fielen ins Bodenlose. Mit der Verunsicherung durch Bilanzskandale war das alles schon längst nicht mehr zu erklären, erst recht nicht mit Unternehmensdaten. Die waren gar nicht so schlecht. Wenn doch erst der 11. September und damit die Unsicherheit vorüber wären, hatten alle gehofft. Jetzt ist der 11. vorbei, und was ändert sich? Nichts. Börsianer und Ökonomen haben längst ihr nächstes Krisenszenario entwickelt – den drohenden Krieg gegen den Irak. Das ist eine reale Gefahr, keine Frage. Rein spekulativ sind dagegen explodierende Rohölpreise. Denn der Irak spielt in der weltweiten Versorgung nur eine untergeordnete Rolle, die Vorrats-Tanks der Industriestaaten sind randvoll gefüllt. Aber wie gesagt, Psychologie beherrscht das Geschäft. Das gilt auch für den letzten Strohhalm der Konjunktur. Die Verbraucher sind in den Käuferstreik getreten. Weil die Börsen nicht mehr signalisieren „Ich bin reich“, weil die Angst vor Terror und dem Arbeitsplatz den Spaß am Konsumrausch verdirbt. Die Zitterpartie ist also noch nicht vorbei.

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