Wirtschaft : Nichts ohne Bertelsmann und Kirch

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Im deutschen Privatfernsehen geht ohne Bertelsmann (über die CLT-Ufa) und Kirch nichts.Beim Pay-TV sind die Medienunternehmen an Premiere beteiligt, Kirch betreibt zudem noch den digitalen TV-Sender DF 1.Beide Anbieter sind aber auch beim normalen Privatfernsehen (Free-TV) führend.CLT-Ufa hat das Sagen bei RTL, RTL 2, Super RTL und Vox, zu Kirch gehören die Senderfamilien SAT 1, DSF, Pro 7 und Kabel 1.Alle zusammen kommen auf einen Anteil von rund 90 Prozent am deutschen Privat-TV-Werbemarkt.

Die starke Doppel-Stellung birgt nach Meinung des Bundeskartellamts einigen Zündstoff.Beide Medienkonzerne verfügen über wichtige Programmrechte.Sollten sie gemeinsame Sache bei Premiere machen, fürchten die Wettbewerbshüter, daß CLT-Ufa und Kirch nicht nur die Vorteile, die ein kombinierter Einkauf von Rechten für das Free- und das Pay-TV bringt, voll ausschöpfen, sondern auch ihre Programmstrategien im Free-TV und im Abonnementfernsehen abstimmen.Eine solche Koordinierung könnte den noch bestehenden Wettbewerb auf dem TV-Werbemarkt erheblich einschränken, glaubt die Behörde.

Neben der Aufstockung der Premiere-Beteiligung beschäftigt Kirch die Wettbewerbshüter derzeit noch mit einem zweiten Verfahren.Der Medienunternehmer will seinen Einfluß bei SAT 1 ausweiten.Zusätzlich zu seinen 43 Prozent möchte Kirch auch noch den 15-Prozent-Anteil der Holtzbrinck-Gruppe übernehmen und so eine Mehrheit bei dem Privatsender aufbauen.Wie im Fall Premiere läuft auch hier Anfang Oktober die Prüffrist für das Kartellamt ab.Dagegen dürfte sich die Klage, mit der Kirch das negative Votum der EU-Kommission gegen die Fusion von DF 1 und Premiere anfechten will, über mehrere Jahre hinziehen.Beobachter halten die Einschaltung des Gerichts daher für einen strategischen Winkelzug.Da sich die Medienlandschaft schnell verändert, dürfte selbst eine für Kirch positive Entscheidung verpuffen, heißt es.

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