Nick Reilly : Der Mann für die schweren Fälle

Nick Reilly soll Carl-Peter Forster bei Opel ablösen.

Henrik Mortsiefer

Berlin - General-Motors-Chef Fritz Henderson ist auf dem Weg nach Deutschland. „Fix-it-Fritz“ kommt nicht allein. Begleitet wird er vom schärfsten Sanierer des Autokonzerns: Nick Reilly. Der für das internationale Geschäft von GM verantwortliche Manager wird offenbar neuer Europa-Chef. Beide Männer wollen Anfang kommender Woche mit dem Opel-Management über die mit Spannung erwarteten Pläne für die kommenden Monate sprechen.

Dabei wird Reilly viel diplomatisches Geschick benötigen, denn der 60-jährige Brite hat bei Gewerkschaftern und Arbeitnehmern einen speziellen Ruf. Reilly, der seine Karriere bei GM vor mehr als 30 Jahren begann, wird immer dann eingesetzt, wenn es irgendwo im globalen GM-Reich nicht rund läuft. So zum Beispiel bei der britischen Opel-Schwester Vauxhall, die er vor gut zehn Jahren sanierte. Weil dabei ein Werk geschlossen werden musste, verzichtete der gebürtige Brite als Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen auf ein Jahresgehalt. Die Queen verlieh ihm dafür sogar den Orden „Commander of the British Empire“.

Zuletzt entsandte ihn die Detroiter Zentrale nach Korea, wo Reilly die GM-Tochter Daewoo Motors wieder fit machte. Autos der Billigmarke werden heute rund um den Globus mit Erfolg verkauft, in Westeuropa unter der Marke Chevrolet – und damit als Wettbewerber der kleinen Opel- Modelle. Anders als sein Ruf vermuten lässt, operierte Reilly in Korea mit Augenmaß. Statt Personal und Topmanagement blind zu entlassen, beließ er Schlüsselpositionen bei Koreanern. Außerdem wurde kräftig investiert, um die asiatischen Fabriken zu modernisieren.

Ähnliches wird in den Opel-Werken in Deutschland und Europa wohl nicht nötig sein. Hier geht es vordringlich um die Reduzierung von Kosten – und um den Abbau von 10 000 Arbeitsplätzen. Beobachter wie der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer befürchten, dass Reillys Kompetenz dabei an Grenzen stößt. „Sparen heißt bei GM, weniger Geld für Entwicklung, und Autos aus dem Korea-Regal, US-Regal und China-Regal nach Europa zu bringen“, sagte Dudenhöffer. Damit werde Opel unter GM-Regie gegenüber starken Herstellern wie Volkswagen oder Toyota im harten Europageschäft weniger Chancen haben. Außerdem würden damit die Qualität und Innovation bei Opel leiden. Henrik Mortsiefer

0 Kommentare

Neuester Kommentar