Wirtschaft : Niedersachsen sollen die Welt führen

Das Weltwirtschaftsforum kürt den Nachwuchs. Neun der 190 Auserwählten kommen aus Deutschland

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Verwählt.
Verwählt.Foto: dpa

Berlin - Es ist eine Ehrung, mit der das Weltwirtschaftsforum auch gewaltig daneben liegen kann. Jedenfalls hat es Saif Gaddafi, dem Sohn des libyschen Diktators, gerade den Titel „Young Global Leader“ – etwa: junger globaler Anführer – aberkannt. Vor fünf Jahren, als er ihn erhalten hatte, habe es so ausgesehen, „dass er das Potenzial für eine künftige libysche Regierung verkörpert, die progressiver, stärker auf Menschenrechte ausgerichtet und offener für die Möglichkeiten politischer Reformen wäre“. Aber diese Hoffnung habe sich nicht erfüllt, erklärte das Weltwirtschaftsforum Ende Februar.

Am Mittwoch gab das Forum die neuen jungen Anführer bekannt: 190 Männer und Frauen aus 65 Ländern. „Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein“: Den Slogan, mit dem AWD-Gründer Carsten Maschmeyer einst für Gerhard Schröder warb, scheint sich das Forum zu Herzen genommen zu haben. Jedenfalls sind Ministerpräsident David McAllister und Sozialministerin Aygül Özkan unter den neun Namen aus Deutschland. Die deutsche Auswahl erfüllt zudem eine Traumquote bei den Frauen: Fünf Managerinnen sind vertreten, darunter Katharina Borchert von „Spiegel online“, Katrin Ley von Reebok und Brigitte Sitzberger, die für eine Investmentfirma aus Abu Dhabi arbeitet. Unter den deutschen Männern sticht Christian Angermayer hervor, der in Frankfurt am Main eine Investmentgruppe gegründet hat und dort als Shootingstar gilt. Eine Jury, geführt von Königin Rania von Jordanien, wählte die 190 aus 5000 Namen aus.

Die „Young Global Leaders“ verstehen sich als Netzwerk. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihr Ex-Berater Jens Weidmann, designierter Bundesbankpräsident, sowie Elektroautopionier Shai Agassi, Klaviervirtuose Lang Lang und Norwegens Kronprinz Haakon gehörten dazu, werden aber nicht unter den 668 aktiven Mitgliedern aufgeführt. Zwei Dutzend Deutsche zählen zum aktiven Globalnachwuchs, darunter Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (ein Niedersachse) und Karl-Theodor zu Guttenberg (allerdings in der aktuellen Liste ohne Funktionsbezeichnung). Alle sind eingeladen, zum nächsten Treffen im September in Dalian in China zu kommen.

Klaus Schwab, der deutsche Gründer des Weltwirtschaftsforums, das vor allem für sein Jahrestreffen in Davos bekannt ist, rief das Jugendnetzwerk 2004 ins Leben und sieht es heute vor immensen Aufgaben. „Die Herausforderungen, vor denen die nächste Generation steht, sind gewaltiger und heikler als jemals zuvor und können mit dem aktuellen Set von Strategien, Institutionen, Standards und Haltungen nicht gemeistert werden“, erklärte Schwab am Mittwoch. Weder Gaddafi noch Guttenberg dürften ihm da widersprechen. Moritz Döbler

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