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Niedrigere Preise : Russland und Ukraine einigen sich auf Gas-Deal

Derzeit schweigen die Waffen im Ukraine-Konflikt. Nun haben sich Russland und die Ukraine auf einen niedrigeren Gaspreis geeinigt. Der Grund: Russlands Versorgungsmonopol schwindet.

Bald soll wieder Gas durch diese Messstation im russischen Sudzha nahe der ukrainischen Grenze strömen.
Bald soll wieder Gas durch diese Messstation im russischen Sudzha nahe der ukrainischen Grenze strömen.Foto: dpa

Die Versorgung der Ukraine mit Gas aus Russland ist die nächsten drei Monate gesichert. Beide Seiten hätten eine entsprechende Vereinbarung erzielt, teilte das Energieministerium in Kiew am Donnerstag mit. Je 1000 Kubikmeter Gas würden 248 Dollar gezahlt. Das ist gut ein Viertel weniger als noch beim Winterpaket, um das monatelang gefeilscht worden war. Für diesen Preis werde das ukrainische Gasunternehmen Naftogaz die notwendigen Gasmengen beim russischen Lieferanten Gazprom ordern. Mitte April soll zudem ein Abkommen auf dem Papier stehen, das die Konditionen bis zum Frühjahr 2016 regelt.

Russland kommt der finanziell angeschlagenen Ukraine entgegen

Erst kürzlich war die Vereinbarung für die Versorgung im Winter abgelaufen. Laut dem Energieministerium entsprechen außer dem Preis alle anderen Vereinbarungen dem Winterpaket. Angesichts der finanziellen Probleme der Ukraine hatte Russland zuletzt ein Entgegenkommen bei den Gas-Konditionen signalisiert. Die Ukraine ist bei der Erdgasversorgung stark von Russland abhängig. Im Streit über den Gaspreis und unbeglichene Schulden waren die Lieferungen 2014 für ein halbes Jahr unterbrochen gewesen.

Grund für die überraschende Einigung und den relativ geringen Preis ist der bessere Anschluss der Ukraine an die europäischen Gasnetze. Obwohl Russland angekündigt hatte, ab April eigentlich sogar höhere Preise für sein Erdgas zu verlangen, konnten sich letzten Endes die ukrainischen Unterhändler durchsetzen. “Die Verhandlungsposition der Ukraine hat sich deutlich verbessert, seitdem die technischen Barrieren beim Gasfluss zunehmend verschwinden“, sagt Harald Hecking vom Energiewirtschaftlichen Institut der Uni Köln (EWI), das die Entwicklung des Gasnetzes in Europa untersucht hat. “Dadurch löst sich das physisch bedingte Monopol Russlands zunehmend auf.“ Die Ukraine hatte zuletzt noch rund die Hälfte ihres Gases aus Russland bezogen. Die EU bekommt von dort rund ein Drittel, wovon wiederum fast die Hälfte durch die Ukraine fließt. Vor allem um diesen Lieferweg zu sichern, hat die EU großes Interesse an einer Verständigung zwischen den östlichen Nachbarstaaten.

Eigentlich läuft der Gasstrom von den meist sibirischen Quellen Richtung Westen bis nach Deutschland, Italien und Frankreich. Doch nachdem bereits 2009 ein Streit zwischen Russland und der Ukraine über Preise und Lieferungen ausgebrochen war und zeitweise auch weniger Gas in der EU ankam, wuchs die Sorge vor einem Winter ohne ausreichende Brennstoffversorgung. Befürchtet wurde vor allem, die Ukraine könne im Zuge des Streits für die EU bestimmtes Transit-Gas für sich selbst abzweigen.

Von West nach Ost: Versorgung der Ukraine aus Westeuropa möglich

Besonders osteuropäische Länder wie die Slowakei und Bulgarien sind auf russisches Gas angewiesen. Deshalb wurde damit begonnen, als Absicherung das Röhrennetz zwischen den EU-Staaten für gegenseitige Hilfslieferungen auszubauen.
Mehr noch: Vor allem wurden Netz und Pumpstationen so aufgerüstet, dass Gas auch von West nach Ost fließen konnte und so selbst die Ukraine mitversorgt werden konnte. Dieser sogenannte “Reverse Flow“ eröffnete neue Geschäftsmodelle.
Einen Anreiz gibt es dafür schon allein, weil mehrere EU-Staaten niedrigere Preise als die Ukraine zahlen. So nahm 2014 auch der deutsche RWE -Konzern Lieferungen in die Ukraine auf. Woher das Gas kommt, bleibt offen: Letztlich könnte dieses Gas aus Sibirien stammen, doch als Lieferanten kommen auch Großbritannien, die Niederlande und Norwegen infrage.
2013 und 2014 flossen nach Expertenschätzungen höchstens zehn Prozent des Bedarfs aus dem Westen in die Ukraine. Die Kapazitäten zum “Reverse Flow“ blieben teils unter den technischen Möglichkeiten, da rechtlich strittig war, ob der Fluss mit Verträgen zwischen osteuropäischer Staaten und dem russischen Gazprom -Konzern im Einklang stünden. Seit Anfang 2015 ist jedoch ein Engpass an der slowakischen Grenze beseitigt, über den - auch rechtlich unstrittig - allein fast 20 Prozent des ukrainischen Verbrauchs gedeckt werden könnte. Auch aus Polen und Ungarn können seit diesem Jahr deutlich höhere Mengen nach Osten gepumpt werden. “Dieser Ausbau des Umkehrflusses ist ein Schlüssel für die Ukraine“, sagt Hecking vom EWI.

Bezahlung der Lieferung an prorussische Rebellen weiter unklar

Die ukrainische Regierung argumentiert daher, sie bräuchte eigentlich gar kein Gas mehr aus Russland. Experten bezweifeln aber, dass das Land so unabhängig ist.
“Umkehr-Flüsse reduzieren die Auswirkungen von Lieferunterbrechungen, aber sie reichen nicht, um russisches Gas völlig zu ersetzen“, heißt es in der Studie des EWI.
“Bei einem sehr kalten Winter wird das Gas voraussichtlich nicht zuerst in die Ukraine geliefert“, sagt Hecking. Die Gasspeicher der Ukraine sind derzeit nur zu einem knappen Viertel gefüllt, und das Land will diese Reserve wieder auffüllen, um in der Auseinandersetzung mit Russland auf der sicheren Seite zu sein. (Redigiert von: Sabine Ehrhardt;Nach wie vor unklar ist aber die Bezahlung der Lieferungen an die von prorussischen Rebellen kontrollierten Gebiete in der Ostukraine. Erst im Dezember hatte Russland die Lieferungen wieder aufgenommen. Derzeit herrscht eine Waffenruhe zwischen der Ukraine und den Separatisten. (Reuters)

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