Wirtschaft : Niedrigere Preise sollen Telekom-Kunden halten Gerüchte über Verkauf in den USA treiben die Aktie

Bonn/ Berlin - Die Deutsche Telekom reagiert mit Preissenkungen auf den Wettbewerbsdruck am Heimatmarkt. Angesichts zahlreicher Billigangebote der Konkurrenz kündigte der Marktführer am Dienstag für den kommenden Monat Preissenkungen von bis zu 15 Prozent für die Komplettangebote aus Telefon und Internet an. Damit will der Konzern auch die erheblichen Kundenverluste bei herkömmlichen Telefonanschlüssen wettmachen. Allein im ersten Quartal hatte die Telekom in Deutschland 588 000 Telefonkunden verloren.

Ab Juni sollen die Telekomkunden für einen monatlichen Pauschaltarif (Flatrate) von 34,95 bis 54,95 Euro unbegrenzt im Internet surfen und in das deutsche Festnetz telefonieren können. Auch über weitere Preissenkungen bei Triple-Play-Angeboten (Internet, Mobilfunk und Festnetztelefonie) und beim „klassischen“ Telefonieren werde nachgedacht, hieß es bei der Telekom.

Die T-Aktie war am Dienstag einer der stärksten Dax-Werte und legte bis zum Schluss 2,7 Prozent zu. Als Grund nannten Händler allerdings nicht die Preisoffensive, sondern Gerüchte über Verkaufspläne. „Angeblich will Blackstone die Telekom dazu bringen, das USA-Geschäft zu verkaufen“, sagte ein Händler. Der Finanzinvestor Blackstone ist mit 4,5 Prozent an der Telekom beteiligt. Wie es heißt, wolle er das Telekom-Management dazu drängen, sich von der hoch profitablen US-Tochter T-Mobile zu trennen. Experten bezweifeln allerdings, ob es sinnvoll wäre, den Wachstumstreiber abzustoßen. „Wir kommentieren solche Marktgerüchte prinzipiell nicht“, sagte ein Telekom-Sprecher.

Die Telekommunikationsbranche in den USA ist in Aufruhr, seit am Sonntagabend bekannt wurde, dass der Finanzinvestor TPG Capital und die Beteiligungssparte der Investmentbank Goldman Sachs den Mobilfunkbetreiber Alltel für 25 Milliarden Dollar übernehmen wollen.

Im Inland lähmt unterdessen der Streik der Telekom-Mitarbeiter den Konzern. Eineinhalb Wochen nach dem Beginn des Arbeitskampfes werden die Folgen für die Kunden nach Angaben der Gewerkschaft Verdi immer stärker spürbar. Falls die Telekom Mitarbeiter wie geplant zum 1. Juli in neue Tarifverträge verschiebt, will Verdi den Streik ausweiten. „Wir würden den Streik dann noch einmal ausweiten, weil die Beschäftigten ein solches Vorgehen als Konfrontation begreifen würden“, sagt Verdi-Verhandlungsführer und Aufsichtsratsvize Lothar Schröder dem Handelsblatt. Bei der Telekom stapeln sich inzwischen einige zehntausend liegen gebliebene Aufträge. Das betreffe Neuinstallationen ebenso wie Entstörungen, berichtete Verdi-Sprecher Jan Jurczyk. Am Dienstag befanden sich laut Verdi rund 15 000 Telekom-Mitarbeiter im Streik. Tsp/HB

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