Niedrigzinsen : Bauen zum Schnäppchenpreis

Geld wird immer billiger. Nach der Zinssenkung der Zentralbank fallen Hypothekenzinsen auf ein Rekordtief – Experten raten zu langen Laufzeiten.

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Gelegenheit für Bauherren. Effektiv sind im Schnitt für Zehn-Jahres-Hypotheken aktuell 2,30 Prozent fällig. Vor fünf Jahren war es doppelt so viel.
Gelegenheit für Bauherren. Effektiv sind im Schnitt für Zehn-Jahres-Hypotheken aktuell 2,30 Prozent fällig. Vor fünf Jahren war es...Foto: picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Sparer sind frustriert und daran wird sich auf absehbare Zeit kaum etwas ändern. Nach der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist klar: Die Sparzinsen bleiben niedrig. Auf dem Sparbuch gibt es weniger als 0,5 Prozent, selbst das durchschnittliche Tagesgeldkonto bringt kaum mehr als ein Prozent. Bei einer Inflationsrate von rund 1,5 Prozent verlieren die Sparer real einen Teil ihres Geldes. „Nur Top-Angebote bei Tagesgeldkonten sichern die Kaufkraft“, sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH. Mitunter zahlen Institute 1,6 Prozent, oft allerdings nur für Neukunden und zeitlich begrenzt.

Was Sparer ärgert, ist allerdings ein Segen für Häuslebauer und Käufer von Wohneigentum: Baugeld ist so billig wie nie. Effektiv sind im Schnitt für Zehn-Jahres-Hypotheken aktuell 2,30 Prozent fällig. Vor fünf Jahren war es doppelt so viel.

Hintergrund: die Schuldenkrise in Europa. Auf der Suche nach Sicherheit wird immer mehr Geld in Bundesanleihen und Pfandbriefen angelegt. Das treibt die Kurse der Papiere, drückt aber die Zinsen. Zehnjährige Bundesanleihen bringen aktuell eine Rendite von nur 1,22 Prozent. Entscheidend für Hypothekenzinsen ist die Entwicklung bei Pfandbriefen. Zudem liegt der Leitzins der EZB nach der Zinssenkung auf dem historischen Tiefstand von 0,5 Prozent. Die Refinanzierung der Banken ist weiter verbilligt worden – das drückt tendenziell auch die Preise für Kredite.

Damit bietet das Baugeld zumindest einen gewissen Ausgleich für die gestiegenen Immobilienpreise. So günstig war es jedenfalls noch nie. In den achtziger Jahren mussten FMH zufolge für Zehn-Jahres-Hypotheken im Schnitt 8,73 Prozent bezahlt werden, Anfang der Achtziger waren es zeitweise sogar mehr als zwölf Prozent. Ein Jahrzehnt darauf verlangten die Banken im Schnitt 7,69 Prozent pro Jahr und von 2000 bis 2010 waren es 5,01 Prozent. Noch vor einem Jahr mussten für Zehn-Jahres-Baugeld knapp drei Prozent bezahlt werden. Experten raten, Hypothekenverträge nicht nur für zehn, sondern für 15 Jahre oder länger abzuschließen, um sich die günstigen Zinsen zu sichern. Auch bei 15 Jahren bieten einige Banken Hypotheken zum Effektivzins von 2,90 Prozent, wie Herbst betont. Allerdings kann sich bei Zinsen von im Schnitt 1,76 Prozent auch ein Abschluss für fünf Jahre lohnen, sollten die Sätze niedrig bleiben.

Herbst zufolge sind die Bauzinsen derzeit so attraktiv, dass sich der Kauf einer Wohnung selbst für Menschen lohnt, deren Ruhestand nicht mehr fern ist. Ein 59-Jähriger, der aktuell 650 Euro an Kaltmiete zahle und 80 000 Euro zurückgelegt habe, könne bei einer knapp 190 000 Euro teuren Wohnung, einer 30 Jahre laufenden Hypothek mit einem Zins von 3,25 Prozent die monatliche Belastung auf knapp 520 Euro drücken. „Die Rate ist nicht nur niedriger als die Miete. Sie wird sich in den nächsten 30 Jahren anders als die Miete auch nicht erhöhen“, sagt Herbst. Rolf Obertreis

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