Wirtschaft : „Niemand erwartet eine Jobverlagerung“

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Herr Gante, bei der Ila-Eröffnung wird Kanzlerin Angela Merkel fehlen. 2002 und 2004 war der damalige Kanzler Gerhard Schröder dabei. Nimmt die neue Bundesregierung Ihre Branche weniger wichtig?

Überhaupt nicht. Wir fühlen uns gut aufgehoben. Die Große Koalition wird in diesem Jahr das Luftfahrtforschungsprogramm neu auflegen, mit deutlich mehr Mitteln als bisher. Auch für die Raumfahrt gibt es wieder mehr Geld, nachdem die Etats in den letzten zehn Jahren stark zusammengestrichen worden waren. Die Unterstützung der Politik für die Branche hängt nicht an einem Besuch der Kanzlerin.

Wie gut geht es denn der Branche?

Sehr gut, die Unternehmen wachsen nachhaltig. Allein im vergangenen Jahr wurden 6400 neue Stellen geschaffen, ein Plus von 8,4 Prozent. Die Firmen suchen händeringend Ingenieure.

Allerdings profitieren Sie vor allem von der Nachfrage aus China und Indien nach Airbus-Maschinen. Wandern nicht bald Arbeitsplätze in diese Länder ab?

Es gibt niemanden, der mit einer Verlagerung von Arbeitsplätzen rechnet, im Gegenteil. Das Wachstum in China und Indien ist so groß, dass es in Deutschland kaum bewältigt werden kann. Es geht außerdem bei der Luftfahrtindustrie auch nicht primär darum, billig zu produzieren. Entscheidend sind Qualität und Technologie. Jedes Jahr werden in Deutschland deshalb 15 bis 20 Prozent der Umsätze in Forschung und Technologie gesteckt.

Die Industrie kooperiert zudem immer stärker mit chinesischen und indischen Partnern. Wann werden die eigene Flugzeuge bauen?

Aus Partnern können natürlich Wettbewerber werden. Keiner kann garantieren, dass es im Markt der großen Verkehrsflugzeuge bei dem Duopol von heute, also Airbus und Boeing, bleibt. Aber ein neues Flugzeug wird nicht von heute auf morgen auf den Markt gebracht. Da geht es um einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren und mehr.

Wie wichtig bleibt die Ila? Auch in diesem Jahr fehlt der US-Konzern Boeing. Der europäische Konzern EADS dominiert die Veranstaltung.

Boeing war noch nie da. Trotzdem hat sich die Ila gut entwickelt. Dieses Jahr haben wir so viele Flächen vermietet wie noch nie. Wir haben Aussteller aus 42 Nationen, darunter auch die aufstrebenden Länder, für die eine starke Zunahme des Luftverkehrs erwartet wird. Und aus den USA sind alle wichtigen Firmen außer Boeing vertreten. Unser Ziel ist es, die Ila zur weltweiten Nummer zwei zu machen. Derzeit sehen wir uns mit dem britischen Farnborough gleichauf.

Das Interview führte Bernd Hops.

Hans-Joachim Gante (63) ist Präsidialgeschäftsführer des

Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Zuvor war er Chef der Geschäftsführung von Airbus Deutschland.

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