Wirtschaft : Nike macht kräftigen Gewinnsprung

Der weltgrößte Sportartikelhersteller profitiert vom schwachen Dollar und hofft auf die Fußball-WM

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Berlin – Der schwache Dollar und eine starke Nachfrage aus dem Inland haben dem weltgrößten Sportartikelhersteller Nike in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres (28. Februar) einen kräftigen Umsatz und Gewinnsprung beschert. Der Umsatz kletterte um 14 Prozent auf zehn Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro), der Gewinn stieg sogar um 35 Prozent auf 862,1 Millionen Dollar, teilte Nike mit. Besonders gut liefen die Geschäfte in den USA, China, Russland und Brasilien, sagte Unternehmenschef William D. Perez, der erst seit neun Monaten im Amt ist. Aber auch der schwache Dollar beflügelte den Export.

Unter den Nike-Produkten waren vor allem der Laufschuh „Shoax“ und die Basketballschuhserie „Air-Jordan“ die Renner. Diese, so Perez, hätten sich besonders gut in den USA verkauft und das US-Geschäft „robust“ gemacht. Weltweit liegen die Bestellungen für Sportschuhe und Sportbekleidung, die zwischen März und Juli dieses Jahres ausgeliefert werden sollen, um zehn Prozent über dem Stand des Vorjahres.

Aber auch das Geschäft in Europa läuft besser als von Analysten zuvor angenommen. Der Auftragsbestand legte in Europa um sieben Prozent zu. Nach Einschätzung von Uwe Weinreich, Analyst der Hypo-Vereinsbank, werden die großen Marken Nike, Adidas und auch Puma in Zukunft ihre Marktanteile eher ausbauen können: „Die Starken werden stärker, die Schwachen eher schwächer“, sagte er dem Tagesspiegel. Der Grund sei, dass sich die Kunden stark an den großen Marken orientierten; es gebe einen Club der „Nike-Anhänger, einen der Adidas-Anhänger und einen der Puma-Anhänger“. „Verlieren werden in diesem Wettbewerb hingegen die No-Name-Anbieter“, sagte Weinreich.

Dabei konkurriert Marktführer Nike, der im Geschäftsjahr 2004 auf einen Gesamtumsatz von 12,3 Milliarden Dollar gekommen war, aufgrund seiner sportlichen Produktpalette vor allem mit Adidas-Salomon. Das Unternehmen mit Sitz in Herzogenaurach erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,48 Milliarden Dollar. Puma mit einem Umsatz von zwei Milliarden Dollar im vergangenen Geschäftsjahr orientiert sich dagegen stärker in Richtung „Lifestyle“ und Freizeitbekleidung. Christian Schindler, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, sieht in beiden Ausrichtungen genügend große Wachstumschancen. „Beides sind gute Märkte, ich kann nicht sagen, welche der drei Marken da besser aufgestellt ist“, sagte er.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 bringt nach Meinung Schindlers aber eher Adidas und Nike Vorteile wegen ihrer größeren Produktpalette bei Fußballbekleidung: „Die WM ist ein guter Wachstumsimpuls für den schwächelnden deutschen Markt.“ Adidas-Chef Herbert Hainer nimmt die Herausforderung sportlich: „Die Konkurrenz mit Nike wird weitergehen.“

Nike versucht, im Jahr vor der Weltmeisterschaft, den Widersacher aus Deutschland auszustechen. Das Unternehmen hat sich bei europäischen Spitzenvereinen eingekauft – bei Manchester United, Arsenal London und dem AC Mailand. Selbst der brasilianische Fußballstar Ronaldo läuft mittlerweile mit dem Nike-Markenzeichen „Swoosh“ aufs Grün.

Adidas kontert und baut derzeit in Herzogenaurach ein eigenes Fußballstadion mit 1800 Plätzen, das in Zukunft auch der deutschen Nationalmannschaft als Trainingsplatz zur Verfügung stehen könnte.

Das positive Ergebnis Nikes fällt auch in die ersten Amtsmonate des neuen Unternehmenschefs William D. Perez, der dem Firmengründer und langjährigen Konzernchef Phil Knight nachgefolgt ist. „Die Gewinnsteigerungen sind aber größtenteils noch auf die Maßnahmen des alten Chefs zurückzuführen“, sagte Analyst Schindler. Vor allem die effizientere Gestaltung der Lieferketten sei ein Grund für das gute Ergebnis. Ob sich auch der neue Chef auszahlt, muss sich noch zeigen. Um das zu bewerten, sei es noch zu früh, sagte Schindler. mit dpa

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