Nikolaus Breuel muss gehen : Hitze kostet Bahnmanager den Job

Die Deutsche Bahn reagiert auf die jüngste Pannenserie im Fernverkehr und feuert den verantwortlichen Manager Nikolaus Breuel.

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In vollen Zügen. Der Bahn stehen viele ICE-Züge nicht zur Verfügung, deshalb wird es für die Reisenden oft eng.
In vollen Zügen. Der Bahn stehen viele ICE-Züge nicht zur Verfügung, deshalb wird es für die Reisenden oft eng.Foto: dpa

Berlin - Die Deutsche Bahn reagiert auf die jüngste Pannenserie im Fernverkehr und feuert den verantwortlichen Manager Nikolaus Breuel. Man strebe einen „Neuanfang“ an und wolle mit der bisherigen Spitze nicht mehr zusammenarbeiten, hieß es am Mittwoch in Aufsichtsratskreisen des Staatskonzerns. Das schlechte Krisenmanagement Breuels sei der wichtigste Grund für den Rauswurf, hieß es an anderer Stelle. Mit ihm verlieren zwei weitere Vorstände ihren Posten, nur der Finanzchef der Sparte bleibt.

Breuel, 50, dessen Mutter die ehemalige Treuhand- und Expo-Chefin Birgit Breuel ist, wird vor allem das Debakel um den Ausfall von Klimaanlagen in rund 50 ICE-Zügen im Sommer zur Last gelegt. In den Waggons war die Temperatur mitunter auf 50 Grad und mehr gestiegen, nachdem die nur bis zu 32 Grad Hitze funktionierenden Klimaanlagen den Dienst versagt hatten. Dies hatte für die Bahn einen schweren Imageschaden zur Folge, sie musste Entschädigungen in Millionenhöhe an Kunden zahlen. „Da hat er den Kopf eingezogen“, kritisieren Breuel-Kritiker im Aufsichtsrat.

Bahn-Chef Rüdiger Grube würdigte gleichwohl die Leistung des Managers, den Fernverkehr in seiner sechsjährigen Amtszeit in die schwarzen Zahlen geführt zu haben. Das Ausscheiden erfolge „im gegenseitigen Einvernehmen“. Zuletzt hatte der Bereich für einen operativen Gewinn von 141 Millionen Euro gesorgt.

Über die Abberufung wird der Fernverkehrs-Aufsichtsrat am kommenden Freitag in einer Sondersitzung entscheiden. Nachfolger Breuels soll Berthold Huber werden, der bislang als Vorstand bei der Bahn-Sparte Netz arbeitet.

Der Fernverkehr ist für das Geschäft der Bahn zwar weitaus weniger bedeutend als der Regionalverkehr. Für das Image in der Öffentlichkeit spielt er aber eine wichtige Rolle. Das Unternehmen versucht derzeit, mit einer Service- und Qualitätsoffensive die zahlreichen Pannen in den vergangenen Monaten vergessen zu machen. Zudem laufen die Vorbereitungen für den kommenden Winter. Zum Jahreswechsel 2009/2010 hatte es massive Probleme mit ausgefallenen ICE-Zügen gegeben. Schnee hatte die Elektrik lahmgelegt, dies sorgte kurz vor den Feiertagen für zahlreiche Verspätungen und Ausfälle. Ohnehin muss der Konzern derzeit auf etwa zehn Prozent seiner Schnellzugflotte verzichten. Nach einem Achsbruch im Sommer 2008 verlangt das Eisenbahn-Bundesamt häufige Kontrollen der fraglichen Teile.

Konzernchef Grube zufolge wird der Normalbetrieb erst in drei Jahren wieder starten können, wenn alle brüchigen Achsen gegen neue ausgetauscht sind. Im Sommer hatte ein ICE überdies bei voller Fahrt eine Tür verloren, die dann in einen entgegenkommenden Zug geflogen war. Dabei gab es sechs Verletzte.

In Kreisen des Aufsichtsrats hieß es, Breuel habe mit dieser Pannenserie auch ein Stück weit „Pech“ gehabt, da sich die Technik als unzulänglich erwiesen habe. Gleichwohl habe man sich auch mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen von Breuel trennen wollen. Im Inland wird die Bahn in den kommenden Jahren auch im Fernverkehr Konkurrenz bekommen, mehrere Unternehmen stehen dazu in den Startlöchern. Auch will der Konzern im Ausland wachsen, etwa mit ICE- Verbindungen nach London, dies genieße einen hohen Stellenwert. Der Gewinn des Fernverkehrs soll in den kommenden Jahren der Mittelfristplanung zufolge stark steigen.

Breuel hatte nicht wenige Gegner im Konzern. Kritiker sagten ihm nach, den Chefposten nur dank des Einflusses seiner Mutter bekommen zu haben. Kollegen beschreiben seine Umgangsform mit Mitarbeitern als „schwierig“.

Auch der für die Bahn peinliche Versuch, 2008 einen Bedienzuschlag beim Fahrkartenkauf in den Reisezentren einzuführen, ging auf Breuels Idee zurück. Auf Druck der Politik hatte die Deutsche Bahn das Vorhaben damals wieder aufgeben müssen.

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