Nikolaus von Bomhard : Abschied eines Feingeistes

Nikolaus von Bomhard, Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, geht nach der heutigen Hauptversammlung.

13 Jahre an der Spitze. Von Bomhard war ein Mann der leisen Töne. Foto: Christof Stache/AFP
13 Jahre an der Spitze. Von Bomhard war ein Mann der leisen Töne. Foto: Christof Stache/AFPFoto: AFP

Noch ein großer Auftritt, dann wird es erst einmal ruhig um Nikolaus von Bomhard. Wenn sich die Aktionäre des weltgrößten Rückversicherers an diesem Mittwoch im Internationalen Congress Center in München treffen, wird der 60-Jährige ihnen Rede und Antwort stehen, dann ist Schluss. Am Donnerstag übernimmt Joachim Wenning die Geschäfte in der noblen Unternehmenszentrale am Englischen Garten. Wie von Bomhard hat auch Wenning (52) fast sein gesamtes Berufsleben bei der Munich Re, der früheren Münchener Rück, verbracht. Als offen und gradlinig beschreibt sich der neue Spitzenmann in einem hausinternen Interview. Jedermanns Liebling müsse er nicht sein, und wenn es mal knirsche, sei das auch in Ordnung, ist da zu lesen. Ein Kulturwandel scheint sich anzubahnen.

Von Bomhard war stets ein Mann der leisen Töne. 13 Jahre stand der Jurist an der Spitze des Rückversicherers. Aus seinen Einstellungen und Meinungen hat er niemals einen Hehl gemacht. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hält der Versicherungsmanager für grundfalsch, auch gegen Geldgier zieht der Topmanager ins Feld. „Ich kann mir nicht vorstellen, Bonuszahlungen zu behalten, wenn das Unternehmen durch meine Entscheidungen in ernsthaft schwieriges Fahrwasser gekommen ist“, sagte von Bomhard im Tagesspiegel-Interview zum Bonus-Streit bei Volkswagen und der Deutschen Bank.

Er fährt Fahrrad statt chauffiert zu werden

In der Meinung fest, im Ton verbindlich. Aus der Rolle fällt der Adelige nie. Freundlich im Auftreten ist er, bescheiden, ein Freund der Künste, ein Feingeist. Er hält sich im Hintergrund, ist keiner, der das Wort an sich reißt. Der Versicherungschef flößt Vertrauen ein mit seiner unaufgeregten Art. Wäre er Vertreter, würde man ihm glatt eine Police abnehmen. Doch die Munich Re hat nicht mit kleinen Versicherungskunden zu tun. Sie bietet millionenschwere Absicherungen für große Geschäfte.

Das Unternehmen dreht das große Rad, dem Chef merkt man das nicht an. Er radelt gelegentlich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dabei könnte er sich große Limousinen leisten. 3,9 Millionen Euro hat der Manager nach Informationen der Beratungsfirma Willis Towers Watson im vergangenen Jahr verdient. „Ich verdiene genug“, sagt von Bomhard selbst. Das mag stimmen, andere Dax-Konzernchefs kassieren jedoch deutlich mehr – mit 13,4 Millionen Euro verdient SAP-Chef Bill McDermott mehr als drei Mal so viel.

Bomhard möchte mehr lesen und reisen

Solidität – das kennzeichnet von Bomhard und sein Unternehmen. Er ist erst der achte Firmenchef in der 137-jährigen Firmengeschichte. Als er 2004 antrat, waren die Zeiten für die Munich Re schwierig. Der Niedergang der Aktienmärkte setzte dem Unternehmen zu, das Engagement bei der angeschlagenen Hypo-Vereinsbank wurde zur Belastung. Von Bomhard musste das Vertrauen von Anlegern und Märkten zurückholen. Das ist ihm gelungen. Vor allem die Aktionäre fahren gut mit dem vorsichtigen Kurs des Unternehmenslenkers.

Seit 1970 ist die Dividende niemals gekürzt worden, in diesem Jahr dürfte der Versicherer voraussichtlich die nominell höchste Dividende aller 30 Dax-Konzerne ausschütten – obwohl der Überschuss seit Jahren sinkt. 2,6 Milliarden Euro waren es 2016, 17 Prozent weniger als im Vorjahr. In diesem Jahr rechnet von Bomhard mit zwei bis 2,4 Milliarden Euro.

Die Prämien im Rückversicherungsgeschäft gehen zurück, die Sanierung der Tochter Ergo, die vor Jahren mit dem Sexausflug ihrer Vertreter nach Budapest und mit massenhaften Falschabrechnungen ihrer Riester-Kunden negative Schlagzeilen machte, ist teuer und langwierig. Für Wenning, der übrigens nicht mit dem Bayer-Chef Werner Wenning verwandt ist, gibt es einiges zu tun.

Um von Bomhard wird es dagegen ruhiger. „Ich möchte mir die Tage nicht mehr so voll packen, möchte mehr lesen und reisen“, sagte er im Tagesspiegel-Interview. „Vielleicht leben wir auch mal ein paar Wochen in Rom, das ist ein lang gehegter Wunsch von meiner Frau und mir.“ Und dann? Dann könnte er in den Aufsichtsrat gehen. Zwei Jahre beträgt die sogenannte Abkühlungsperiode, dann wäre ein Wechsel in das Kontrollgremium möglich.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben