Wirtschaft : Niles will in Berlin bleiben

BERLIN (asi).Ob der Berliner Traditionsbetrieb Niles der Hauptstadt langfristig erhalten bleibt, ist nach den letzten Verhandlungen erneut völlig offen.Nach einem Angebot des Berliner Senates zur Übernahme eines neuen Grundstücks war am Donnerstag aus dem Unternehmen zu erfahren, daß Niles den Senatsvorschlag ablehnt."Wir brauchen schnell ein baureifes Grundstück", sagte Einkaufsleiter Michael Konrad."Die Finanzierung von kommunalen Aufgaben ist uns nicht möglich".

Um den Erbpachtvertrag für das 20 000 Quadratmeter große Grundstück im Gewerbegebiet Wolfener Straße im Stadtbezirk Marzahn verhandelt Niles nunmehr seit fast einem Jahr.Hinderungsgrund für den Vertragsabschluß ist unter anderem, daß sich der Senat außerstande sieht, rund 1,5 Mill.DM zur Beseitung von Altlasten zu finanzieren.Erst am Mittwoch hatte der Senat Niles gebeten, den Betrag vorzufinanzieren.Er sollte später mit der zu zahlenden Pacht zu verrechnet werden.Niles-Unterhändler Konrad: "Wir können dieses Angebot nur ablehnen".In Marzahn will Niles etwa 20 Mill.DM in eine neue Fertigungshalle investieren, weil die derzeit genutzten Hallen am alten Niles-Standort in Weißensee zu kostenintensiv sind.Bereits im Herbst soll die Fertigung beginnen.In den letzten Tagen war bekannt geworden, daß die Niles-Geschäftsführung alternativ eine Investition in Brandenburg erwägt.Michael Konrad: "Wir haben nicht den Eindruck, daß die öffentliche Verwaltung in Berlin an unseren Steuern wirklich interessiert ist".

Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr bei Niles ist der Coburger Werkzeugmaschinenhersteller Kapp GmbH zufrieden.Nachdem Kapp den Niles-Bereich zur Herstellung von Zahnradschleifmaschinen 1997 übernommen hat, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Martin Kapp dem Tagesspiegel, daß sich die Investition "als sinnvoll und positiv" erweise.Den Markennamen Niles weiterzuführen sei trotz der Wirrungen um das Ost-Berliner Unternehmen zu Beginn der neunziger Jahre erfolgbringend.

Kapp, der grundsätzlich keine Bilanzdaten veröffentlicht, schätzte den Marktanteil des Niles-Werkes bei Maschinen zur Bearbeitung von großen Zahnrädern auf derzeit rund 25 Prozent.Bei einem Weltmarktvolumen von rund 60 bis 70 Mill.DM plant das Coburger Familienunternehmen, den Niles-Anteil bis zum Jahr 2010 schrittweise auf 50 Prozent zu erweitern.Zahnräder, die auf Berliner Schleifmaschinen bearbeitet werden, kommen im Kraftwerksbau, im Getriebebau und bei der Fertigung von Windrädern zum Einsatz.Niles exportiert die Maschinen nach Europa, Asien und Amerika.

Seit 1997 stieg die Zahl der Niles-Mitarbeiter kontinuierlich von 65 auf derzeit 107.Mittelfristig rechnet der Eigentümer mit 150 Beschäftigten.Geschäftsführung und Betriebsrat haben einen Haustarif geschlossen, der sich im Lohnniveau am Tarifvertrag der IG-Metall orientiert und dessen Tarife zwölf Monate verzögert zahlt.Um Auftragsspitzen abdecken zu können, sieht der Haustarif vor, Mehrarbeit durch Zeitkonten auszugleichen.

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