Wirtschaft : Nobelpreis für Wirtschaft: Auszeichnung geht erneut in die USA

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Die Ökonomen James J. Heckman und Daniel L. McFadden aus den USA sind die diesjährigen Träger des Nobelpreises für Wirtschaft. Sie erhalten ihre Auszeichnung für die Arbeit im Feld der Mikroökonometrie, teilte die Königlich-schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit. Dieses Fach verbindet die Wirtschaftswissenschaften mit der Statistik und dient dazu, das Verhalten von Individuen, Haushalten und Unternehmen zu analysieren und in einer ökonomischen Theorie zu verallgemeinern. Von diesem Wissen profitieren auch andere Sozialwissenschaften. Der Chef des schwedischen Preiskomitees, Lars Svensson, hob die "herausragende praktische Bedeutung" der voneinander unabhängig betriebenen Forschung von Heckman und McFadden hervor. Der Wirtschafts-Nobelpreis wird zusammen mit den anderen Nobelpreisen am 10. Dezember überreicht; er ist in diesem Jahr mit neun Millionen Kronen (knapp 2,1 Millionen Mark) dotiert.

Was beeinflusst die Entscheidung eines Menschen zu arbeiten? Welche Rolle spielen wirtschaftliche Anreize bei der Entscheidungen über Ausbildung, Beruf und Wohnort? Wie wirkt sich die Ausbildung auf Einkommen und Beschäftigung aus? Diese Fragen lassen sich den Forschungsergebnisssen von Heckman und McFadden besser beantworten. Das ist wichtig für die Gestaltung sozialpolitischer Hilfsprogramme oder für die Regelungen, die Langzeitarbeitslosen die Rückkehr in den Beruf erleichtern sollen. Auch die Bundesanstalt für Arbeit bedient sich der Modelle der beiden Forscher.

Der 56jährige Heckman lehrt an der Universität von Chicago (US-Bundesstaat Illinois). Er forschte zuletzt unter anderem über Sozialsysteme, Arbeitsmärkte und alternative Einkommensverteilung. Heckman erhält den Nobelpreis für die "Entwicklung von Theorien und Methoden zur Analyse selektiver Stichproben". Seine Forschungen widmen sich zum Beispiel der Frage, welchen Einfluss Bildung und Alter auf das Einkommensniveau von Männern und Frauen haben. Er arbeitet auch in Deutschland als Forschungsprofessor - am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Heckmans 63jähriger Kollege McFadden von der kalifornischen Elite-Universität Berkeley wird ausgezeichnet für "die Entwicklung von Theorien und Methoden zur Analyse diskreter Wahlentscheidungen". Seine Methoden wurden etwa für den Aufbau des regionalen Bahnsystems Bart in San Francisco genutzt, bei Telefonangeboten oder der Gestaltung von Seniorenwohnungen. McFadden kündigte an, das Preisgeld von rund einer Million Mark in seinen kalifornischen Weinberg zu investieren.

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wird seit 1969 jährlich verliehen und, anders als die übrigen Preise, von der Schwedischen Reichsbank gesponsert. 29 der bislang 46 ausgezeichneten Ökonomen stammen aus den USA. Eine Frau ist bislang nicht unter den Preisträgern.

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