Wirtschaft : Noch Ein Tag Bis Zum Euro - Traumstart für den Euro erwartet

DÜSSELDORF / FRANKFURT (MAIN) (fk/tik/HB/AP).An den deutschen Börsen hieß es am Mittwoch Abschied nehmen: Zwei Tage vor dem Euro-Start wurden zum letzten Mal Aktien in D-Mark gehandelt.Von Montag an werden in den elf Euro-Staaten die Kurse der Wertpapiere in Euro angegeben.Der Bundesverband der Banken (BdB) rechnet am bevorstehenden Umstellungswochenende mit einer reibungslosen Einführung der neuen Währung.

BdB-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber erklärte, in den vergangenen Monaten sei in den Geldinstituten jedes EDV-Programm in Angriff genommen worden."Ich denke, wir sind gut vorbereitet.Ein bißchen Spannung bleibt natürlich bei einem solchen Ereignis", sagte Weber im Saarländischen Rundfunk.Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels kündigte an, ab 2.Januar könnten die Kunden bundesweit in jedem zweiten Geschäft mit EC-Karte, Kreditkarte oder Scheck in Euro bezahlen.Der Handel bemühe sich, die wichtigsten Preise parallel in Euro und D-Mark auszuweisen.Für die Verbraucher ändert sich dennoch wenig, denn als Bargeld werden D-Mark und Pfennig erst im Jahr 2002 von Euro und Cent abgelöst.

Ein Euro dürfte knapp 1,96 DM entsprechen, da sein Wert nach dem Maastricht-Vertrag entsprechend dem Wert des Ecu am 31.Dezember festgelegt wird.Das Verhältnis der elf Teilnehmerwährungen zum Ecu ist seit langer Zeit stabil - für die D-Mark eben bei knapp unter 1,96 DM.Die Euro-Kurse werden auf sechs Stellen ausgerechnet.Bei der D-Mark bedeutet dies eine Stelle vor und fünf Stellen hinter dem Komma.

Daß die Europäische Währungsunion einen Traumstart erwischt, steht für Bankenvolkswirte außer Frage.In einer Handelsblatt-Umfrage prophezeiten deutsche und angelsächsische Experten Euroland 1999 fast einhellig einen Verbraucherpreisanstieg um nur rund 1,5 Prozent.Die Stabilitätsdefinition der Europäischen Zentralbank ("Preisanstieg unter zwei Prozent") würde damit glatt erfüllt.Übereinstimmend sehen sie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euro-Länder als Folge der Krisen in Asien und Lateinamerika mit zwei Prozent schwächer wachsen als 1998 mit knapp drei Prozent.

Der inneren Euro-Stabilität wird nach der Umfrage eine bemerkenswerte Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar entsprechen.Unterschiede herrschen über das Ausmaß: Ausgehend vom jetzigen Kurs von 1,17 Dollar je Euro (ein Euro entspricht dabei einem Ecu) erwartet Peter Cornelius von DB Research einen Euro-Anstieg auf nur 1,22 Dollar, Kermit L.Schoenholtz vom US-Investmenthaus Salomon Smith Barney und Michael Heise von der DG Bank tippen auf 1,26 Dollar, Martin Hüfner von der HypoVereinsbank rechnet sogar mit einem Wechselkurs von 1,30 Dollar/Euro - letzteres entspräche eine Dollarabwertung von rund zehn Prozent.

Die meisten Auguren erwarten für die Zinspolitik, daß die Europäische Zentralbank ihren Leitzinssatz von zur Zeit drei Prozent bis zur Jahresmitte auf 2,75 Prozent zurücknimmt.Cornelius rechnet bis dahin sogar mit einer Absenkung auf 2,5 Prozent - ein Schritt, der auch von anderen erwartet wird, wenn die Konjunktur in Euroland im zweiten Halbjahr nicht anspringt.Ulrich Hombrecher von der WestLB ist dagegen so fest von einer Konjunkturbeschleunigung überzeugt, daß er für 1999 keinerlei Zinsmaßnahmen erwartet.Schoenholtz sieht einen anderen Grund für solche EZB-Abstinenz: "Zum ersten Mal seit 1991 wird das Haushaltsdefizit in Euroland bezogen auf das Bruttosozialprodukt um einen halben Prozentpunkt steigen."

Wie Bundesbank-Chefvolkswirt Hermann Remsperger plagt auch die Bankvolkswirte, daß die USA zur Lastenverteilung der Krisenfolgen in Asien und Lateinamerika Beiträge Eurolands einfordern könnten.Cornelius sieht das US-Leistungsbilanzdefizit um 30 Mrd.auf 250 Mrd.Dollar wachsen, Hombrecher das Euroland-Defizit nur von 90 auf 80 Mrd.Euro schrumpfen.Hüfner zufolge "können wir nur hoffen, daß es zu keinen protektionistischen Maßnahmen der USA kommt".

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