Wirtschaft : Noch heute regelmäßig Besuch aus Nippon

Volker Keidtel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Lichtwer Pharma GmbHEr kommt von weit oben, hat aber beileibe nicht das Gefühl, tief gefallen zu sein.Ursprünglich arbeitete Volker Keidtel bei Hoechst, war dort als Direktor für weltweites Marketing für sieben Mrd.Umsatz verantwortlich und ist viel in der Welt herumgekommen.1995 ging er, weil, wie er rückblickend sagt, der Frankfurter Konzern seine soziale Verantwortung nicht ausreichend wahrnahm."Shareholder-value ist Steinzeitkapitalismus, man muß auch die Menschen betrachten." Heute ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der Lichtwer Pharma GmbH, am Rande des Märkischen Viertels.Doch er hat diesen Schritt bewußt gewählt und bis heute in keiner Weise bereut.Lichtwer sei für ihn eine besondere Herausforderung, der er sich noch einmal stellen wollte.Lichtwer ist ein kleines, aber feines Unternehmen, das Arzneimittel auf pflanzlicher Extraktbasis herstellt.Sie basieren beispielsweise auf Knoblauch oder Baldrian.Mit rund 350 Mitarbeitern wird jährlich ein Umsatz von 240 Mill.DM erwirtschaftet.In diesem Jahr sollen es schon 300 Mill.DM werden.Allein im Forschungsbereich sind 24 Mitarbeiter tätig, sie haben einen Etat von rund 12 Prozent des Gesamtumsatzes zur Verfügung. Geboren wurde Keidtel 1941 in Schippkau in Brandenburg.Sein Abitur machte er in Oldenburg.Die Familie hatte eine alte militärische Tradition, und so verwundert es nicht, daß er über die Bundeswehr in Kiel Pharmazie studierte.Dabei, sagt er heute, wäre er am liebsten Dirigent geworden.Seine Approbation als Apotheker erhielt er 1967.Danach arbeitete er als sogenannter "1.Herr" in einer Apotheke in Neustadt in Holstein.1973 kam er zu Hoechst.Für das Unternehmen war er acht Jahre in Japan - daß er Japanisch spricht, versteht sich von selbst.Er liebt das Asiatische und sagt, "man muß die Philosophie und das Denken verstehen, dann gewinnt man in Japan Freunde für ewig".Noch heute bekommt er regelmäßig Besuch aus Nippon.Auch in Persien war er und hat unter Chomeni die Stellung gehalten.Als es zu brenzlig wurde, floh er in vier bis fünf Wochen quer durch Iran und Kurdistan bis zum ersten Flugplatz in der Türkei.In seinem Leben ist er etwa zehn Mal umgezogen, nun will er seßhaft werden. In Berlin findet er in erster Linie das kulturelle Angebot phantastisch.Die Stadt sei die einzige Metropole in Deutschland.Das Umland nutzt er gerne zu Spaziergängen mit seinem Hund.In Ostdeutschland spüre man die Aufbruchstimmung, "die wollen vorankommen".Doch der viele Dreck in der Stadt stößt ihn ab."Der Berliner denkt nur bis zur Grundstücksgrenze", sagt er.Auch müsse "die Subventionsmentalität" abgebaut werden.Weiter forderte Keidtel die Umsetzung der Gebietsreform.Aber die Koalition habe sich hier zu lange gegenseitig blockiert.Daß die Regierung nicht gleich nach dem Mauerfall umgezogen sei, hält er für einen elementaren Fehler.

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