Wirtschaft : "Noch in dieser Woche wird gestreikt"

FRANKFURT (MAIN) (su/HB)."Noch in dieser Woche" wird bei den Banken wieder gestreikt.Das kündigte der Verhandlungsführer der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Gerhard Renner, nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für das Bankgewerbe an.Entgegen ersten Äußerungen werde man nicht bis nach Ostern warten.Auch in der vierten Verhandlungsrunde hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften nicht auf einen neuen Tarifvertrag für das Bankgewerbe einigen können.

Die Arbeitgeberverbände empfehlen ihren Mitgliedern nun, die Gehälter von sich aus anzuheben, und zwar in der am Montag in den Tarifverhandlungen vorgeschlagenen Höhe: Für die Monate Januar bis März sollen sie einmalig 350 DM zahlen; ab April sollen die Beschäftigten dann 3,1 Prozent mehr bekommen, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Tessen von Heydebreck.

Gewerkschafter Renner nennt das "ein Tarifdiktat, das wir geißeln werden".Dabei seien die materiellen Vereinbarungen "durchaus reizvoll".Aber er gibt sich überzeugt, daß die Bankbeschäftigten sich diesmal auch durch die finanziellen Zugeständnisse der Arbeitgeber von Streiks nicht abbringen lassen: "Ich gehe davon aus, daß die Rechnung der Arbeitgeber nicht aufgeht." Es gehe nicht um Geld, sondern um die Sicherung von Arbeitsplätzen und um den arbeitsfreien Sonnabend.

Dieser freie Tag war es, der in der Nacht zum Dienstag nach mehr als 13 Stunden Verhandlung zum Scheitern der Gespräche geführt hatte: Die Arbeitgeber hatten nach den Worten ihres Verhandlungsführers von Heydebreck "sehr moderate" Erweiterungen gefordert.Sie waren aber nicht bereit, den Bankangestellten die Arbeit am Sonnabend durch mehr Freizeit oder mehr Geld zusätzlich zu vergüten.

Damit werde der Sonnabend zur Regelarbeitszeit, kritisiert Gewerkschafter Renner."Der freie Sonnabend ist für uns aber ein hohes Gut, das wir nicht so ohne weiteres aufgeben." Wer am Sonnabend sechs Stunden arbeite, müsse dafür beispielsweise den ganzen Montag - also acht Arbeitsstunden - frei haben.Das sei nur ein mögliches Modell.Außerdem müßten die Konditionen, zu denen die Banken Filialen auch am Wochenende öffnen, genau geregelt werden: wieviele Mitarbeiter und Filialen in welchen Städten an wievielen Sonnabenden das betrifft."Sonst entsteht ein Regelungsdschungel, den wir nicht wollen." Die Arbeitgeber hatten lediglich die Zahl der am Sonnabend Arbeitenden in einer Filiale im Jahresdurchschnitt auf 10 Prozent begrenzt.

Als Druckmittel will Renner die Verhandlungen um die Reform der Vergütungsstruktur im Bankgewerbe nutzen.Diese seien jetzt "auf Eis gelegt".Wenn die Arbeitgeber noch eine Einigung bis zum Spätherbst anstreben, müssen sie den Gewerkschaften bei den Tarifverhandlungen entgegenkommen, fordert DAG-Mann Renner.

Probleme bereitet den Arbeitnehmervertretern im Bankgewerbe vor allem, daß nur gut 20 Prozent der Bankangestellten - hauptsächlich der unteren Gehaltsgruppen - gewerkschaftlich organisiert sind.Nach Angaben von Renner steigen die Mitgliederzahlen aber: Nach jeder größeren Aktion in den vergangenen Tagen seien ein- bis zweihundert neue Mitglieder hinzugekommen.

Noch größeren Zulauf erwartet Renner, falls der Arbeitgeberverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (AVR) nicht mehr wie bisher gemeinsam mit den anderen Bankenarbeitgebern über Tarifverträge verhandeln sollte.Bei den Gesprächen am Montag hatte der Dachverband der 2200 Volks- und Raiffeisenbanken bereits ein eigenes Angebot vorgelegt.Darin fehlte die leistungsabhängige Vergütung von 0,5 Prozent, die die privaten Banken angeboten hatten.Die jetzige Arbeitgeberempfehlung werde aber von allen Verbänden getragen, sagte Annette Kaiser, Geschäftsführerin des AVR.Nun warte man auf die Reaktionen der Gewerkschaften.Ihr Verband habe sich mit seinem Angebot nach den Abschlüssen bei den direkten Konkurrenten - den Sparkassen - gerichtet, und die zahlten nur die 3,1 Prozent.

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