Wirtschaft : "Noch kann nicht von einer Hausse in Japan gesprochen werden"

In Tokio stiegen die Aktienkurse zum Wochenschluß um fünf Prozent, der Nikkei kletterte auf 14 894,00 Punkte.Das war der höchste Schlußstand seit drei Monaten.Daniel Rhée-Piening sprach mit Dung Tran Dinh, Asienexperte im Research der Norddeutschen Landesbank.

TAGESSPIEGEL: Was sind die Gründe für die Kursgewinne gerade jetzt?

DUNG TRAN DINH: Es war vor allem die jüngste Senkung der Geldmarktsätze durch die Notenbank auf fast Null, die die Kurse nach oben getrieben hat.Daneben ist es zu Short-Eindeckungen gekommen.

TAGESSPIEGEL: Kann schon von einer Hausse gesprochen werden?

DUNG TRAN DINH: Nein, noch nicht.Die Rahmenbedingungen für ein Anspringen der Konjunktur sind noch sehr schlecht.Die jüngsten Daten, etwa die Umsätze im Einzelhandel, zeigen weiterhin einen negativen Trend.Auch die Zahl der Arbeitslosen hat den höchsten Stand seit Kriegsende erreicht.

TAGESSPIEGEL: Wo liegen die Gefahren?

DUNG TRAN DINH: Eine Gefahr sehe ich darin, daß die Sanierung der Banken nicht gelingt.Japan befindet sich in einer Liquiditätsfalle.Wenn die Banken ihre Kreditvergabe nicht ausweiten und die staatlichen Finanzhilfen nur zu ihrer eigenen Sanierung verwenden, wird sich am Problem der Kreditverknappung nichts ändern, die Zinssenkung verpuffen.Eine zweite Gefahr würde von einem starken Yen ausgehen.Gegenwärtig ist der Yen jedoch schwach, und die exportorientierten Unternehmen profitieren davon.

TAGESSPIEGEL: Wo sehen sie den Nikkei und den Yen im Sommer?

DUNG TRAN DINH: Grundsätzlich bin ich optimistisch, denn ich sehe die Anstrengungen der Regierung, der Banken und der Unternehmen, verstärkt ihre Hausaufgaben zu machen.Der Nikkei könnte zur Jahresmitte bei 15 500 Punkten stehen.Der Kurs des Yen gegenüber dem Dollar sollte unverändert bei rund 120 liegen.Mit dieser Relation können sowohl Japan und als auch die USA leben.

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