Wirtschaft : "Noch keine Entscheidung für Airbus-Superjumbo"

BERLIN (chi).Über den Standort für die Montage des neuen Superjumbos A3XX von Airbus ist nach Angaben des früheren Wirtschaftsministers Günter Rexrodt (FDP) noch keine Entscheidung gefallen."Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagte er auf Anfrage des Tagesspiegels am Montag zu den am Wochenende aufgetauchten Spekulationen über eine angebliche Entscheidung zugunsten des Standortes Sevilla in Spanien.Rexrodt und der bisherige Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Lammert, waren bislang für die politischen Verhandlungen der Airbus-Partnerstaaten verantwortlich.Auch im Bundeswirtschaftsministerium hieß es am Montag: "Wir haben keine Anhaltspunkte, daß es eine Entscheidung gibt".

Das Magazin "Focus" berichtet in seiner neuesten Ausgabe unter Berufung auf "Kreise" der Daimler Aerospace AG (Dasa), daß eine Entscheidung zugunsten des Standortes Sevilla erwartet werde.Um die Ansiedlung beworben haben sich außerdem Rostock und Hamburg sowie die beiden französischen Standorte Toulouse und St.Nazaire.Die offizielle Entscheidung über den Standort sollte nach bisherigen Angaben erst im Frühjahr 1999 fallen.Wie Rexrodt nun sagte, "muß zunächst eine Entscheidung über den Bau des Großraumflugzeuges getroffen werden.Erst dann wird man über den oder die Standorte reden".Die beiden deutschen Bewerber hätten unverändert gute Chancen."Da werden auch gezielt Indiskretionen gestreut", sagte der Ex-Minister.Die Entscheidung sei aber Sache der Unternehmen, "nicht der Politik".

An Airbus sind die französische Aerospatiale und die Dasa mit jeweils 37,9 Prozent beteiligt, British Aerospace mit 20 Prozent, die spanische Casa mit 4,2 Prozent.Verhandelt wird gegenwärtig über die Umwandlung des Konsortiums in eine privatwirtschaftlich organisierte Aktiengesellschaft, um dem Konkurrenten Boeing schlagkräftiger entgegentreten zu können.Solange diese Entscheidung nicht gefallen sei, werde es auch keine Entscheidung über den Bau des Großraumflugzeuges A3XX geben, sagte Rexrodt.Denn das Risiko ist groß.Allein die Entwicklungskosten werden bislang auf acht bis zehn Mrd.Dollar veranschlagt.

Für Unsicherheit sorgt aber offenbar auch der politische Wechsel in Bonn.Während sich die bisherige Bundesregierung, vor allem Helmut Kohl, für den Standort Rostock stark gemacht hatte, sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Thomas Mirow (SPD) am Montag, daß sich die Ausgangslage für Hamburg mit dem Kanzler Schröder verbessert habe.Dieser habe sich bisher zwar auf keinen Standort festgelegt, als niedersächsischer Ministerpräsident aber die Bewerbung Hamburgs unterstützt.Für Hamburg spricht, daß in Finkenwerder bereits Airbusse montiert werden.Für ein weiteres Werk könnte es aber Grundstücksprobleme geben.Rostock wirbt dagegen mit den guten EU-Förderkonditionen - und ausreichend Flächen.Laut bisherigen Angaben könnte das Montagewerk allein bis zu 2000 Arbeitsplätze sichern.

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