Wirtschaft : Noch keine Entwarnung für Medien-Aktien Tiefpunkt noch nicht erreicht

KLAUDIA PREVEZANOS (HB)

Europäische Medienaktien haben sich nach Angaben von Merrill Lynch im 3.Quartal 1998 schlechter entwickelt als der übrige Markt.Die Analysten der US-amerikanischen Investmentbank betrachten in ihrem Quartalsbericht Radio- und Fernsehsender, Telekommunikations- und Musikunternehmen, Werbe- und Mediaagenturen sowie Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlage.

Die unterdurchschnittliche Entwicklung des europäischen Medienmarktes demonstriere im übrigen, daß die Branche von der Rezession 1991 gelernt habe und sich nun vorsichtig verhalte, meint Merrill Lynch.1990 waren die Werbeausgaben leicht gefallen, und man glaubte an eine "weiche Landung".Im folgenden Jahr sind die Ausgaben jedoch deutlich gesunken, was zu einer Serie starker Kursabwertungen bei Medienunternehmen führte.Bilanzabschlüsse fielen wesentlich schlechter aus als heute und verursachten Notverkäufe, finanzielle Umstrukturierungen und Konkursanträge.

Die Bankanalysten rechnen allerdings nicht damit, daß sich die Entwicklung von damals wiederholen werde.Sie empfehlen einzelne Titel wie Carlton Communications und Pearson zum Kauf, deren Aktienkurse steigen sollen.Allerdings gelten beide Unternehmen als besonders abhängig von den Entwicklungen der Werbebranche.Newsquest habe zusätzlich ein hohes elektronisches Potential und steht ebenfalls auf "Kaufen." Canal Plus und Flextech sind weitere Kaufempfehlungen, die in einem geringeren Maß von der Werbebranche abhingen.Zum Kauf empfohlen wird ebenfalls Wolters Kluwer.Die Aktien von Telewest, Entertainment und Pro Sieben Media haben die Analysten von "Akkumulieren" auf "Kaufen" hochgestuft.Beim deutschen Sender rechnen sie mit einem guten Ergebnis im 3.Quartal und positivem Einfluß durch erwartete Steueränderungen in Deutschland.

Eine geänderte Empfehlung gibt Merrill Lynch auch für Havas Advertising, Reed Elsevier und WPP Group, die jeweils von "Kaufen" auf "Akkumulieren" abgestuft wurden.Bei Reuters erwartet die Bank 1999 und 2000 langsameres Wachstum und höheren Preiswettbewerb und rät Anlegern daher von Engagements ab.Dies gelte ebenso für EMI.Dort gebe es Unruhe im Managementbereich.

Es ist nach Ansicht der Analysten zwar noch zu früh, um den europäischen Mediensektor besonders positiv zu bewerten, der Tiefpunkt der Entwicklung sei noch nicht erreicht.Langfristig sei aber wieder Potential für steigende Aktienkurse vorhanden.Noch wirkten sich allerdings die Krisen in Asien , Rußland und Lateinamerika negativ auf den europäischen Markt aus.Doch gibt es laut Merrill Lynch verschiedene positive Faktoren: Inflation und Zinsniveau seien deutlich niedriger als 1990.Zahlreiche Veranstaltungen zur Jahrtausendwende förderten das Werbegeschäft und das Sponsorentum.Es wird laut Merrill Lynch viele Produktneueinführungen geben, beispielsweise das digitale Fernsehen in Großbritannien.General Motors, der größte US-amerikanische Werbekunde in dieser Branche, hatte im 3.Quartal 1998 seine Werbeaufträge wegen eines Produktionsstreiks gestoppt.Dies dürfte nach Meinung der Analysten im nächsten Jahr aber keine Rolle mehr spielen.Es sei zur Zeit schwierig, gültige Zielpreise für die Medienbranche zu nennen, da der Markt im 3.Quartal so unbeständig gewesen sei wie noch nie.Doch bei Merrill Lynch glaubt man, daß die genannten Faktoren für eine "sanftere Landung" als während der Rezession 1991 sprechen.

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