Wirtschaft : Noch keine Gewißheit über die Zukunft Bangemanns

RALPH SCHULZE

MADRID . Derzeit übt sich Spaniens Telefon-Gigant Telefónica im Werfen von Nebelbomben. Die Ernennung des deutschen Ex-EU-Kommissars Martin Bangemann in den Aufsichtsrat des größten spanischen Konzerns sei aufgeschoben - wenn auch nicht aufgehoben, heißt es. Doch dieser Akt scheint eher zur Beruhigung für die Öffentlichkeit und die Aktionäre gedacht, die sich über die Umstände der Verpflichtung Bangemanns erregen. In Wirklichkeit steht Bangemann längst in Diensten der Telefónica - besser gesagt: in Diensten des Telefónica-Chefs Juan Villalonga.Schon vor einem Monat bei der Präsentation seines neuen Stürmers hatte Villalonga mitgeteilt, daß ihm der bisherige EU-Kommissar für den europäischen Telekommunikationsmarkt "von sofort an" mit Rat und Tat zur Seite stehen werde. Daran hat sich bis heute nichts geändert - auch wenn sich der Telefónica-Aufsichtsrat mit der Verschiebung der formellen Ernennung seines neuen Mitgliedes ein Hintertürchen aufläßt. Je nachdem, wie hart die von der EU-Kommission und dem Europäischen Parlament eingeleiteten politischen und juristischen Sanktionen sein werden, wird man natürlich noch einmal darüber nachdenken, wieviel ein öffentlich geschaßter Bangemann für das größte spanische Unternehmen überhaupt noch wert ist.Doch vorerst gilt die Parole: Augen zu und durch. "In einigen Monaten hat sich die Lage beruhigt, und dann sehen wir weiter", hört man aus dem Hause Telefónica. Und wenn dieses hier altbewährte Rezept nicht aufgehen sollte, dann bleibt ja immer noch der "goldene Handschlag": Ein "freiwilliger" Verzicht des Deutschen auf sein neues und hochdotiertes Amt, der mit einer üppigen Abfindung versüßt werden könnte. Doch zunächst bleibt Bangemann an der Seite seines Chefs Villalonga im Spiel, und angeblich war er gerade erst wieder zu Besuch in Madrid. Offenbar ist Bangemann sogar schon ermächtigt, in aller Öffentlichkeit Kampfparolen auszugeben: "Wir werden die Deutsche Telekom angreifen," sagte er.Ob daß die Bangemannsche Art ist, eine Fusion zwischen der spanischen Telefónica und der Deutschen Telekom anzukündigen? Die Gerüchte über derlei Pläne in Madrid und Bonn reißen jedenfalls nicht ab - und sicher ist inzwischen, daß es intensive Gespräche zwischen den beiden nationalen Telekommunikations-Marktführern gibt. Nur was dabei herauskommt, weiß man noch nicht. Das Geschäft könnte sich für beide Partner durchaus lohnen: Die Telekom würde durch die Spanier Zugang zum attraktiven lateinamerikanischen Markt bekommen. Und Telefónica hätte mit den Deutschen einen finanziell potenten Partner, für die Eroberung des europäischen Raumes.

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