Wirtschaft : Noch keine Lösung in Sicht für AEG in Nürnberg

IG Metall weist Sozialplan von Electrolux am Donnerstagabend zunächst zurück / Ausweitung der Streiks

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Nürnberg - Im Ringen um den Erhalt des Nürnberger AEG-Werkes ist keine schnelle Lösung in Sicht. Die am Donnerstag wieder aufgenommenen Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag für die 1700 von der Werksschließung betroffenen Beschäftigten wurden nach zwei Stunden vorübergehend unterbrochen. „Wir sind tief enttäuscht“, wies Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer das von Electrolux vorgelegte Alternativ-Angebot zurück.

Electrolux-Sprecher Ulrich Gartner bezeichnete die Forderung der Gewerkschaft nach einer langfristigen Beschäftigungsgarantie für alle überlebenden Unternehmensbereiche als „Mondforderung“. „Das war kein guter Tag“, sagte Neugebauer nach der ersten Runde. Es habe eine „messerscharfe“ Debatte gegeben. Eine Abfindung in Höhe von 0,7 Prozent eines Monatsgehaltes pro Dienstjahr sei unter Hartz-IV-Bedingungen ebenso wie eine auf zwölf Monate befristete Beschäftigungsgesellschaft „nicht akzeptabel“. Neugebauer verteidigte seine Forderung nach einem „Gesamtpaket“ für die Nürnberger AEG-Hausgerätefabrik und seiner vier ausgelagerten Tochtergesellschaften. Dies habe der Nürnberger AEG-Geschäftsführer Dieter Lange abgelehnt. Aus Sicht der Gewerkschaft sei es jedoch „Irrsinn“, über alle Unternehmensbereiche einzeln zu verhandeln. Das Angebot des Konzerns hat ein Volumen von rund 100 Millionen Euro. Das Forderungspaket der IG Metall habe jedoch einen Wert von rund 400 Millionen Euro, sagte Neugebauer. Die billigste Lösung sei es, das Werk nicht zu schließen. „Dann werden wir den Streik sofort beenden“.

Electrolux-Sprecher Ulrich Gartner sagte dagegen, eine Verknüpfung der Verhandlungen über das Nürnberger Hausgerätewerk mit Tarifgesprächen für die Tochter Logistics und weiteren ausgegliederten Gesellschaften werde es mit AEG nicht geben. „Wir können darin keinen Zusammenhang sehen“, sagte er. Laut Europachef Horst Winkler können die von der geplanten Werksschließung betroffenen Mitarbeiter zwischen einer Abfindung in Höhe von 0,7 Monatsgehältern pro Dienstjahr und der Übernahme in eine Beschäftigungsgesellschaft für zwölf Monate bei vollem Lohnausgleich wählen. Das Gesamtvolumen entspricht Electrolux zufolge einem durchschnittlichen Betrag pro Mitarbeiter von über 60 000 Euro.

Die IG Metall fordert eine Beschäftigungsgesellschaft für mindestens zwei Jahre bei vollem Lohnausgleich für die 1700 Nürnberger AEG-Werker und eine Standort- und Beschäftigungsgarantie für die AEG-Töchter und die Elektroherde-Fabrik in Rothenburg ob der Tauber bis zum Jahr 2015. „Wir wollen eine Gesamtlösung für das Werk und die vier im Herbst 2005 ausgegliederten Gesellschaften“, erklärte Neugebauer. Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft schloss aus, dass es bereits am Donnerstag zu einer Einigung kommt. „Zunächst geht es darum, sich nach vorne zu bewegen und ein paar Hürden zu überspringen.“ Die IG Metall kündigte eine Ausweitung des Arbeitskampfes auf das Ersatzteilzentrum im Rothenburg ob der Tauber an. Dort könnten Mitte nächster Woche auch die 200 Beschäftigten der AEG-Ersatzteilsparte Distriparts GmbH in den seit zwei Wochen laufenden Arbeitskampf einbezogen werden. An diesem Freitag will IG-Metall-Chef Jürgen Peters die Streikenden besuchen und mit der Tarifkommission das Angebot bewerten.

Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) forderte den schwedischen Mutterkonzern Electrolux am Donnerstag auf, ein konkretes Angebot für den Erhalt der Arbeitsplätze vorzulegen. „Ein gutes Unternehmen hat auch Rücksicht zu nehmen auf seine Mitarbeiter, durch die es groß und manchmal auch reich geworden ist“, sagte Müntefering bei einem Besuch der Streikenden im AEG-Stammwerk in Nürnberg. dpa

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