Wirtschaft : Noch liegen keine befriedigenden Kriterien für indische IT-Spezialisten vor

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Die Bedingungen der Green Card für bis zu 20 000 ausländische Software-Experten soll nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller mit der Industrie entwickelt werden. Müller sagte nach einer Konferenz mit dem indischen Finanzminister Yashwant Sinha am Dienstag in Berlin, bisher seien noch keine befriedigenden Kriterien gefunden worden, die den Anforderungen der deutschen Wirtschaft genügen würden. Arbeitsminister Walter Riester (SPD) ist derzeit mit einer Regelung für den befristeten Aufenthalt solcher Spezialisten in Deutschland befasst.

Müller will sich nach eigenen Angaben vorrangig um die Entwicklung der Kriterien für die Erteilung der als Green Cards bezeichneten Arbeitserlaubnisse kümmern. Die bisherigen Erfahrungen indischer Experten oder indischer IT-Firmen in Deutschland seien nicht immer erfreulich gewesen, sagte er. Gleichzeitig gehe es darum, den dringenden Bedarf an IT-Experten bei deutschen Betrieben kurzfristig zu decken. Die Industrie müsse derzeit wegen des Arbeitskräftemangels Aufträge ablehnen. Müller begrüßte auch die Bereitschaft Indiens, Deutschland mit der Entsendung seiner Experten helfen zu wollen.

Sinha erklärte, sein Land verfüge über ein erhebliches Reservoir an Expertise und Talent. Indische Experten arbeiteten in vielen Ländern der Welt einschließlich den USA. Zur Diskussion um die Green Card und den Slogan "Kinder statt Inder" äußerte sich Sinha zurückhaltend. In einer Demokratie sei eine solche Diskussion normal. Indische IT-Spezialisten seien keine unausgebildeten oder unnötigen Arbeitskräfte, die anderen Menschen die Arbeit wegnähmen. "Wenn ein Land von unseren Talenten Gebrauch machen will, sind wir bereit, den entsprechenden Beitrag dafür zu leisten", sagte Sinha. Er befürchtet andererseits auch keinen Schwund an Computer-Spezialisten im eigenen Land: "Wir haben 50 Millionen davon, da können wir einige abgeben." Zur Diskussion um die Green Card fügte Wirtschaftsminmister Müller noch hinzu: "Eine solche Diskussion, wie bei uns, würde bei den Indern nicht geführt werden."

Beide Minister hatten zuvor die 14. Tagung der deutsch-indischen Wirtschaftskommission geleitet, die nach Angaben von Müller die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern wieder beleben sollten. In den Jahren 1998/1999 seien die deutschen Exporte nach Indien um insgesamt rund 20 Prozent zurückgegangen, der Warenaustausch stagniere bei acht Milliarden Mark pro Jahr. "Wenn man die Exportkraft der deutschen Wirtschaft betrachtet und die Größe Indiens, ist dieser Betrag deutlich ausbaufähig", sagte Müller.

Sinha sagte, sein Land plane in den kommenden Jahren riesige Infrastrukturprojekte mit "gewaltigen Möglichkeiten" für Wirtschaftspartner. So sollten in den nächsten neun Jahren 13 000 Kilometer neue Straßen gebaut und 25 000 Megawatt neuer elektrischer Leistung installiert werden. In zwei Jahren solle das Mobilfunknetz auf eine Kapazität von 20 Millionen Apparaten verzehnfacht werden. Privatisierungsprojekte gebe es für die fünf größten indischen Häfen und für Flughäfen. Weitere Hafenanlagen sollten von privaten Betreibern errichtet werden. Indien sehe deutsche Unternehmen als wichtige Partner, um in diese Infrastrukturprojekte zu investieren. Auch sei die Beziehung zu Deutschland ein wichtiger Faktor, um das Verhältnis zur Europäischen Union zu pflegen, sagte Sinha. Er und die ihn begleitende Delegation betonten auf dem Treffen, dass Indien an der Reform- und Marktöffnungspolitik festhalten werde.

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