Wirtschaft : „Noch malen viele schwarz in schwarz“

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HARTMUT

KIEHLING

ist Wirtschaftswissenschaftler

an der Katholischen Universität

Eichstätt Ingolstadt

Foto: promo

Herr Kiehling, der IfoIndex ist weiter gestiegen. Ist das tatsächlich die Wende?

Sehr wahrscheinlich ja, denn die konjunkturelle Stimmung ist in West- und in Ostdeutschland gestiegen.

Was könnte den Aufschwung noch verhindern?

Auch wenn die Stimmung bei den Unternehmen jetzt etwas besser geworden ist, gibt es weiterhin strukturellen Pessimismus. Die Medien, viele Politiker und die Konsumenten malen immer noch schwarz in schwarz. Da sehe ich durchaus eine potenzielle Gefahr für die Erholung.

Der Ifo-Index misst die Stimmung der Firmen. Aber reicht eine gute Stimmung für eine tatsächliche Wende?

Die Stimmung ist sehr wichtig, weil sie auf alle Bereiche unternehmerischer Entscheidungen einwirkt: Nach welchen Informationen sucht ein Unternehmer, wie gewichtet er sie und was für Schlüsse zieht er daraus. Ein euphorischer Unternehmer lässt sich auf risikoreichere, innovativere Projekte ein. In schlechter Stimmung nimmt man vor allem schlechte Nachrichten wahr, in der Euphorie gute. Unternehmerische Entscheidungen hängen von den Erwartungen für die Zukunft ab. Und es gibt keine wertfreie Methode, in die Zukunft zu schauen. Daher ist die Stimmung so wichtig.

Und wer ist verantwortlich für die Stimmung eines Unternehmers?

Die hängt nicht zuletzt von der Einstellung der Gesellschaft ab. Bis Ende der 70er Jahre hatte Deutschland ein tolles Image. Anfang der 80er erschienen im angelsächsischen Raum die ersten negativen Artikel. Das ist zum Selbstläufer geworden. Die Deutschen glauben mittlerweile selber daran.

Und trotzdem steigt der Ifo-Index?

Der zeigt nur, dass die Konjunktur weniger pessimistisch eingeschätzt wird. Was immer noch bremst, ist der strukturelle Pessimismus. Der kostet uns unglaublich viel Wachstum, weil er Investitionen und internationale Durchsetzungsfähigkeit negativ beeinflusst. Um den zu überwinden, müsste die Bundesregierung die Menschen überzeugen, dass es voran geht mit den Reformen – und die Lobbyisten müssten ihren Widerstand gegen Reformen aufgeben.

Das Gespräch führte Bernd Hops.

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