Wirtschaft : Noch mehr Bauleute in Berlin arbeitslos

BERLIN (alf).Mit der Berliner Bauwirtschaft geht es weiter abwärts.Der IG Bauen-Agrar-Umwelt zufolge will der Münchener Konzern Dyckerhoff & Widmann (Dywidag) 140 Berliner Bauleute entlassen und künftig nur noch als Baudienstleister in der Hauptstadt agieren.Das Unternehmen begründet den Stellenabbau mit dem "hohen tariflichen Lohnniveau".Die Fachgemeinschaft Bau äußerte sich am Dienstag anläßlich der aktuellen Arbeitslosenzahlen mit einer deprimierenden Einschätzung.Danach ist im September der saisonale Rückgang der Arbeitslosigkeit "vollständig ausgeblieben, die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt geht am Bau vorbei".In Berlin waren Ende September 15 913 Bauarbeiter arbeitslos, 6,5 Prozent mehr als vor einem Jahr."Die starke Zunahme der Arbeitslosigkeit" hänge nicht mit Überkapazitäten zusammen, meinte Fachgemeinschaftschef Wolf Burkhard Wenkel.Vielmehr gehe "ein zu großer Anteil der Bauaufträge aufgrund des anhaltenden Zustroms auswärtiger Billiganbieter sowie der illegalen Beschäftigung an der regionalen Bauwirtschaft vorbei".

Nach Angaben der IG Bau will Dywidag in Berlin alle gewerblichen Arbeiter entlassen.Dywidag setze damit einen Trend zu Dienstleistern fort, wie ihn die Gewerkschaft bei anderen Baukonzernen seit längerem beobachte.Dabei würden die reinen Bauarbeiten "zukünftig von Subunternehmen aus Billiglohnländern erstellt werden".IG Bau-Geschäftsführer Rainer Knerler erklärt den Wandel am Beispiel Hochtief.Der Konzern finanziere und baue die britische Botschaft und vermiete sie dann für 30 Jahre an England; das komplette Gebäudemanagement übernehme Hochtief.Die Niederlassungsleitung von Dywidag erklärte in einer Stellungnahme, künftig würden Bauvorhaben "in zuverlässigem Nachunternehmen" abgewickelt.Verhandlungen mit dem Betriebsrat über die Absenkung der Löhne um sechs Prozent seien gescheitert.Da jedoch eine "große Zahl von Wettbewerbern" sechs Prozent weniger zahle und ferner der Wettbewerb in Berlin "von dem brandenburgischen Lohnniveau und von Dumpinglöhnen" bestimmt werde, gebe es für Dywidag "keine Wettbewerbschancen mehr".

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