Wirtschaft : Noch mehr Berliner ohne Arbeit

Knapp 500 000 Personen in Berlin und Brandenburg arbeitslos / ABM stark rückläufig BERLIN (alf).Die deutliche Einschränkung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen sowie die Urlaubszeit haben im Juli die registrierte Arbeitslosigkeit in Berlin und Brandenburg weiter ansteigen lassen.Ende des Monats waren in beiden Ländern knapp 490 000 Menschen arbeitslos gemeldet, das waren 67 000 mehr als vor einem Jahr und 10 500 mehr als im Juni.Dabei zählten die Arbeitsämter in Berlin rund 271 000 (plus 31 000) und in Brandenburg 219 000 (plus 36 000) Arbeitslose.Der Präsident des Landesarbeitsamtes, Klaus Clausnitzer, sagte bei der Vorstellung der neuesten Statistiken am Mittwoch eine "bedrückend hohe Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt" voraus.In den neuen Bundesländern inklusive Berlins sei die wirtschaftliche Belebung aufgrund der niedrigeren Exportquote deutlich schwächer als in Westdeutschland.In Berlin sei der Strukturwandel noch immer durch den Rückzug der Industrie gekennzeichnet; "Neuansiedlungen finden nicht statt", so Clausnitzer. Nach der Neuorganisation der Arbeitsämter im Juni weist das Landesarbeitsamt keine Daten mehr für den Ost- und den Westteil Berlins aus.Die Stadt insgesamt stelle einen Arbeitsmarkt dar und werde von der Statistik künftig als Ganzes erfaßt, sagte Clausnitzer.Innerhalb des letzten Jahres verloren die meisten Berliner ihren Arbeitsplatz in Verwaltungs- und Büroberufen (plus 4900), im Baubereich (plus 2600), im Handel (plus 2200) und im Sozialbereich (plus 1900).Entsprechend wurden Ende Juli die meisten arbeitslosen Berliner in den kaufmännischen Berufen gezählt, nämlich 40 500; an zweiter Stelle der Negativliste liegen die Warenkaufleute (21 900), gefolgt von Sozialberufen mit 17 100, Schlossern und Mechanikern mit 15 100 sowie den Bauberufen mit 14 800 Arbeitslosen.Weiterhin spürbar entlastet wurde der Berliner Arbeitsmarkt durch die Arbeitsmarktpolitik: Im Juli befanden sich 47 600 Personen in Qualifizierungsmaßnahmen, AMB, Kurzarbeit oder im Altersübergang, das waren allerdings rund 16 000 weniger als im Juli vergangenen Jahres. Im Land Brandenburg war der Rückgang noch wesentlich stärker: Im letzten Juli fingen die arbeitsmarktpolitischen Instrumente 73 100 Personen auf, ein Jahr zuvor waren es noch rund 120 000 Brandenburger.Dabei ist allerdings ein demographischer Effekt zu erwähnen: Im Juli 1997 bezogen 8700 Brandenburger Altersübergangsgeld, vor einem Jahr waren es noch 20 400 mehr. Zur Lage auf dem Lehrstellenmarkt sagte Clausnitzer, "die Schere geht weiter auseinander".Ende Juli seien in Berlin-Brandenburg 26 650 Jugendliche noch ohne Ausbildungsplatz gewesen, dem hätten 2089 freie betriebliche Lehrstellen gegenüber gestanden.Clausnitzer bedauerte, von den Landesregierungen in Berlin und Brandenburg "noch keine Signale" bekommen zu haben, wie das Lehrstellenprogramm von Bund und Ländern in der Region umgesetzt werden solle.Im Rahmen des Programms sollen in Berlin rund 1600 und in Brandenburg 3100 Ausbildungsstellen geschaffen werden.Es müsse endlich geklärt werden, so Clausnitzer, was mit dem von Bund und Ländern bereitgestellten Geld gemacht werden solle: "Im August möchten wir noch handeln", so der Arbeitsamtspräsident. In Reaktion auf die jüngsten Arbeitsmarktzahlen betonte der Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Arbeit, Peter Haupt, die Notwendigkeit einer "effektiven Arbeitsmarktförderung".Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge müsse "eine engere Verzahnung mit regionaler Beschäftigungsförderung stattfinden".Haupt regte an, die Lohnkostenzuschüsse, die nur im Ostteil Berlins und den neuen Ländern von den Arbeitsämtern gewährt werden dürfen, angesichts der hohen Arbeitslosigkeit auf das ganze Bundesgebiet auszuweiten.

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