Wirtschaft : Noch mehr Siemens-Jobs in Gefahr

Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks streicht weltweit 9000 Stellen – 2900 davon in Deutschland

Corinna Visser

Berlin - Der Betriebsrat des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks hat massiven Widerstand gegen den geplanten Personalabbau angekündigt. „Das ist eine Kriegserklärung an die Belegschaft“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Georg Nassauer dem Tagesspiegel. „Fast jeder vierte Mitarbeiter in Deutschland ist betroffen. Das können wir nicht hinnehmen.“ Die Arbeitnehmerseite habe eine Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Unternehmens unter Protest verlassen, mit der Aufforderung an das Management, neue Zahlen zu nennen. Für kommenden Dienstag seien bundesweite Protestkundgebungen geplant – auch in Berlin am Siemensdamm.

Nokia Siemens Networks (NSN) ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Nokia. Das neue Unternehmen, das Technik für Telefon- und Mobilfunknetze liefert, ist erst vor einem Monat an den Start gegangen. Am Freitag kündigte die Unternehmensführung einen massiven Stellenabbau an – betroffen sind vor allem Deutschland und Finnland. Entsprechende Spekulationen hatte es bereits zuvor gegeben.

Bis zum Jahr 2010 sollen in Deutschland 2800 bis 2900 der insgesamt 13 000 Arbeitsplätze und in Finnland 1500 bis 1700 von 10 000 Arbeitsplätzen gestrichen werden. Weltweit will Nokia Siemens Networks 9000 von bisher 60 000 Stellen abbauen, wie das Unternehmen in Helsinki ankündigte. Vor allem in Deutschland liegt der Personalabbau damit deutlich über der vom Unternehmen bisher genannten Quote von zehn bis 15 Prozent des Beschäftigtenstandes. „Dies ist ein notwendiger Schritt, um Nokia Siemens Networks heute und für die Zukunft wettbewerbsfähig aufzustellen“, erklärte Firmenchef Simon Beresford- Wylie.

Nach Angaben eines Firmensprechers in Deutschland wird der Bereich Telekommunikationsdienste und -anwendungen mit 850 Arbeitsplätzen am stärksten vom Abbau betroffen sein. Je 250 Stellen sollen im Bereich Zugangstechnik sowie Entwicklung von Technologien und Plattformen wegfallen und noch einmal 650 Stellen in Vertrieb und Dienstleistungen für Netze. Die übrigen 800 bis 900 Stellen verteilten sich auf andere Geschäftsgebiete und zentrale Funktionen. Eine Entscheidung über die Standorte sei noch nicht gefallen. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern sollen Mitte Mai starten.

Bis Ende 2009 sind die Mitarbeiter – eine Vereinbarung aus Siemens-Zeiten – zwar vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Dennoch nannte Betriebsratschef Nassauer die Einschnitte einen „Angriff auf die Substanz des Unternehmens“, der nicht nachvollziehbar sei, da es sich hierbei um ein Unternehmen handele, das Profit mache. „Das ist eine Riesensauerei, trotz positiver Zahlen so einen Hieb in Deutschland zu machen“, sagte Nassauer. In Berlin arbeiten etwa 2000 Mitarbeiter für NSN, quer durch alle Bereiche. Wie viele Stellen in Berlin betroffen sein werden, ist noch offen.

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