Wirtschaft : Noch mehr Yen für schlechte Banken?

Aus dem Wall Street Journal übersetzt von Ber

Muss Japan noch mehr Steuergelder in die Rettung seines Bankensystems stecken? Diese Frage wird immer vehementer in Tokio gestellt, wobei die implizite Nachricht ist: Die Eliten sind davon überzeugt, die Antwort müsse "ja" lauten, auch wenn es offiziell "nein" heißt. Diese Aussichten sind erschreckend. Offensichtlich hängen die Bürokraten an einem Rettungspaket, das dem vom Oktober 1998 ähnlich sein soll. Damals wurden 25 Billionen Yen (190 Milliarden Dollar) in Banken gesteckt, die zwar liquide waren, aber zu kämpfen hatten, um das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Krediten wieder zu verbessern. Für 18 Billionen Yen wurden insolvente Banken verstaatlicht.

Masaru Hayami, der Gouverneur der Bank von Japan, forderte die Regierung bereits im vergangenen November auf, die Deckungsrate der Banken wieder zu verbessern. Die offzielle Ablehnung könnte - wie so oft in Japan - so lange andauern, bis diese Maßnahme als einziges Mittel erscheint, ein wirtschaftliches Desaster zu vermeiden. Japan würde dann erneut eine Debatte darüber vorenthalten, wie die Regierung Steuergelder besser investieren könnte als in das kaputte System. Wie sinnlos die Pläne sind, zeigt der Blick zurück. Seit 1998 hat sich die Art und Weise, wie die Banken Geschäfte machen, nicht grundlegend verändert. Kredite werden weiterhin den großen Firmen gewährt - ohne die nötige Prüfung der Risiken. Der offzielle Bestand der Banken an faulen Krediten betrug 49,5 Billionen Yen im Jahr 1998. Trotz großer öffentlicher Hilfen und hoher Abschreibungen sind sie bis heute lediglich auf 43 Billionen Yen gesunken. Und das ist nur die Dunkelziffer, wahrscheinlich ist die Summe mehr als doppelt so hoch. Die Bank von Japan hat bereits gewarnt, die Wahrscheinlichkeit für weitere Bankenpleiten sei hoch. Außerdem hätten kleinere Firmen Probleme, sich Kapital zu beschaffen, weil Investoren und Banken hier sehr vorsichtig sind. Das könnte die Rezession in Japan weiter verlängern. Premierminister Junichiro Koizumi muss nun der Versuchung widerstehen, eine Rettungsaktion alter Machart zu akzeptieren. Besser wäre es, eine öffentliche Debatte anzustoßen. Sicher gibt es eine bessere, marktorientiertere Lösung, die nicht wie bisher einfach nur größere Probleme in der Zukunft verursacht.

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