Wirtschaft : Noch reicher trotz Krise

Deutschlands Milliardäre bauen ihren Wohlstand aus / Aldi-Familien bleiben vermögendste Deutsche.

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Geld regiert die Welt. Friede Springer, hier mit Vorstand Mathias Döpfner, ist Mehrheitseigentümerin des Berliner Axel-Springer-Verlags. Foto: dapd
Geld regiert die Welt. Friede Springer, hier mit Vorstand Mathias Döpfner, ist Mehrheitseigentümerin des Berliner...Foto: dapd

Berlin - Während durch die Schuldenkrise in Europa die Armut weiter zunimmt, kann sie den Reichsten nichts anhaben. Zumindest Deutschlands Milliardäre haben ihren Wohlstand in den vergangenen zwölf Monaten weiter vermehrt, wie aus der aktuellen Rangliste des „Manager Magazins“ hervorgeht, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die 100 Superreichen konnten ihr Vermögen um gut vier Prozent auf insgesamt knapp 320 Milliarden Euro erhöhen. Das ist fast so viel wie noch vor der Finanzkrise. Insgesamt überstieg der Wohlstand der 500 reichsten Deutschen mit 500 Milliarden Euro sogar das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz (umgerechnet gut 490 Milliarden Euro). Allerdings sind die Werte aus der Rangliste des Magazins geschätzt, etwa anhand von Aktienkursen und Unternehmensumsätzen. Zum Vermögen werden unter anderem Beteiligungen, Immobilien, aber auch Kunstsammlungen und Stiftungen gezählt.

Auf den vordersten Rängen liegen wie schon vor einem Jahr die Eigner der großen Lebensmitteldiscounter. An der Spitze steht der 92-jährige Karl Albrecht (Aldi Süd), dicht gefolgt von den Söhnen seines verstorbenen Bruders Theo (Aldi Nord). Der drittreichste Deutsche ist Dieter Schwarz, dem unter anderem der Discounter Lidl gehört.

Doch hat der Handel, der in den vergangenen zwölf Monaten besonders stark von Insolvenzen und Firmenkrisen betroffen war, auch die größten Verlierer hervorgebracht. Die Familie Schlecker verlor ihr Vermögen in Höhe von knapp zwei Milliarden Euro, weil sie ihre Drogeriemarktkette zu Beginn des Jahres in die Pleite führte. Die Haupt-Anteilseigner von Deutschlands größtem Handelskonzern Metro, der kürzlich aus dem Dax abstieg, verloren ebenfalls eine Menge Geld: Das Vermögen der Familie Schmidt-Ruthenbeck und von Otto Beisheim verringerte sich jeweils um 900 Millionen Euro. Der Gründer der Metro-Tochter Media-Saturn, Erich Kellerhals, verlor 450 Millionen Euro. Und das Vermögen der Haniels, die rund 30 Prozent an der Metro halten, schrumpfte von acht auf 6,9 Milliarden Euro. Auch die Familie Otto, deren Versandhandelskonzern derzeit in einer Umstrukturierung steckt, musste in den vergangenen zwölf Monaten hohe Verluste verschmerzen. Ähnlich ging es den Reichen, die ihr Geld in die krisenlnde deutsche Solarbranche steckten.

Ordentlich dazugewonnen haben dagegen die Gründer von Europas größtem Softwarekonzern SAP: Hasso Plattner und Dietmar Hopp besitzen nun knapp sechs Milliarden Euro, ein Jahr zuvor waren es noch gut fünf.

In einer eigenen Rangliste führt das Magazin die reichsten Großfamilien Deutschlands auf, deren Vermögen sich auf eine schwer überschaubare Zahl von Personen verteilt. Der reichste Clan bleibt mit 21,5 Milliarden Euro die deutsch-holländische Familie Brenninkmeijer, der die Modekette C&A gehört. Sie zählt weit mehr als 500 Mitglieder. Mit großem Abstand folgt die Familie Henkel, die ihr Vermögen innerhalb der vergangenen zwölf Monate von neun auf 13 Milliarden Euro erhöhen konnte.

In der Hauptstadt führt eine Frau die Rangliste an: Friede Springer, Großaktionärin des Berliner Springer-Verlags und Witwe von Axel Springer, konnte ihr Vermögen von drei auf 3,4 Milliarden Euro ausbauen.

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