NOCH ZU RETTEN? : Verkaufen statt schließen

Die IKB soll eine neue Chance bekommen: Banken und Sparkassen springen abermals ein. Ob die Hilfe reicht, ist offen.

Stefan Kaiser

Berlin - In der Krise um die angeschlagene Mittelstandsbank IKB haben sich die Vertreter der deutschen Kreditwirtschaft auf eine Rettung verständigt. „Die Arbeit am Gesamtkonzept werde vorangetrieben“, sagte eine Sprecherin der staatseigenen KfW-Bank, der 38 Prozent an der IKB gehören. Der Prozess solle in einen erfolgreichen Verkauf münden. Darauf hätten sich die Verbände der Kreditwirtschaft auf ihrer Krisensitzung in Frankfurt am Main verständigt. Zuvor war aus dem Verwaltungsrat der KfW zu hören gewesen, man denke über eine Schließung der IKB nach. „Das ist abwegig“, hieß es dazu bei der KfW.

Bereits in der Nacht zum Donnerstag hatten sich die Vertreter von KfW, Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Banken auf ein weiteres Hilfspaket von rund 350 Millionen geeinigt. Anfang August hatte die deutsche Kreditwirtschaft bereits ein Rettungspaket in Höhe von 3,5 Milliarden Euro geschnürt, weil sich die IKB am US-Hypothekenmarkt verspekuliert hatte.

Nach Angaben aus Finanzkreisen reicht das neue Rettungspaket von 350 Millionen Euro nicht aus, um die Risiken der IKB zu decken. „Damit sind noch nicht alle Probleme der IKB gelöst“, sagte auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Am heutigen Freitag kommt der Verwaltungsrat der KfW unter dem Vorsitz von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Oppositionspolitiker warnten davor, öffentliche Gelder zur Rettung der IKB einzusetzen. „Die KfW darf jetzt nicht einfach mit indirekten Steuergeldern neue Bürgschaften für die kranke IKB übernehmen“, sagte FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle dem Tagesspiegel. Vor einer Nothilfe der KfW müsse diese erstmal „ihre unnötigen Beteiligungen an der Post und Telekom verkaufen“. Die KfW hält stellvertretend für den Bund rund 17 Prozent an der Deutschen Telekom und etwa 30 Prozent an der Deutschen Post. Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler warnte vor einer drohenden Kapitalerhöhung bei der KfW. Damit werde der Steuerzahler für das Missmanagement der Bank zur Kasse gebeten.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ließ indes mitteilen, er habe „alle Ansinnen aus der KfW nach einer Bürgschaft des Bundes oder weiteren Geldmitteln klar zurückgewiesen“. Es werde keine Belastung des Steuerzahlers geben.

Die IKB verschob die ursprünglich für den heutigen Freitag geplante Veröffentlichung ihrer Halbjahreszahlen. Die immer noch laufende Korrektur der Vorjahresergebnisse machten den Schritt dennoch nötig, teilte die Bank mit.

Unterdessen muss auch die Landesbank Baden- Württemberg (LBBW) Belastungen von 800 Millionen Euro infolge der US-Hypothekenkrise eingestehen. Eine verlässliche Prognose der Belastungen für das Gesamtjahr seien jedoch noch nicht möglich, hieß es allerdings. Die LBBW hatte im Sommer noch die angeschlagene SachsenLB übernommen und damit vor dem Aus gerettet.

Die Bundesbank rechnet nach den massiven Problemen bei der IKB und der SachsenLB nicht mit zusätzlichen Krisenfällen im deutschen Bankensystem. „Für weitere solche Fälle extremer Risikokonzentration haben wir keine Anzeichen“, sagte Bundesbank-Vizepräsident Franz- Christoph Zeitler am Donnerstag bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der Zentralbank. „Wir befinden uns inmitten einer ernsthaften Belastungsprobe für das internationale Finanzsystem“, warnte er allerdings.

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