Nokia : 90.000 Euro Gewinn – pro Mitarbeiter

Nokia schreibt riesige Gewinne. Der Handyhersteller bestreitet zwar die Zahlen, die in der Öffentlichkeit genannt werden, aber Politiker sprechen von "obszöner Gier“.

Yasmin El-Sharif
Nokia
134 Millionen Euro soll das Bochumer Nokia-Werk erwirtschaftet haben - Nokia will es trotzdem schließen. -Foto: ddp

BerlinDas von der Schließung bedrohte Nokia-Werk in Bochum schreibt offenbar Gewinne im dreistelligen Millionenbereich. Der finnische Nokia-Konzern soll 2007 allein am Standort Bochum ein Betriebsergebnis vor Zinsen von 134 Millionen Euro erzielt haben, wie das Magazin „Capital“ unter Berufung auf vertrauliche Dokumente meldet. Jeder Mitarbeiter in der Produktion soll demnach rund 90 000 Euro Gewinn erwirtschaftet haben. Insgesamt schaffte die deutsche Nokia GmbH mit den Werken in Bochum, Ulm, Düsseldorf, München und Frankfurt am Main sogar ein Betriebsergebnis nach Zinsen von 246 Millionen Euro, berichtet das Magazin weiter.

Nokia wies die Angaben zu den Gewinnen in Bochum am Mittwoch jedoch als „irreführend“ zurück. „Das gibt nicht die dortige Profitabilität unter Marktgesichtspunkten wider“, sagte eine Sprecherin. In Nokia-Kreisen in Helsinki hieß es zudem, bei den genannten Zahlen handele es sich lediglich um einen fiktiven Wert, der zur Berechnung der Steuerzahlungen diene.

Dennoch dürften die Daten den Druck auf die Konzernführung zusätzlich erhöhen. Nokia will die Handyproduktion in Deutschland bis Mitte des Jahres aus Kostengründen aufgeben und größtenteils nach Rumänien verlagern. Fast alle der rund 2300 Arbeitsplätze in Bochum sollen dann wegfallen.

Teile der Politik und Gewerkschaften äußerten am Mittwoch erneut ihr Unverständnis für den drastischen Schritt. „Nokias Entscheidung, in Bochum Tausende von Menschen arbeitslos zu machen, ist offenbar nicht wirtschaftlicher Zwangslage, sondern obszöner Gier geschuldet“, sagte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer in Berlin. Die IG Metall rief Nokia dazu auf, eine Alternative für den Standort Bochum zu suchen. „Die Zahlen bekräftigen unsere Position, dass eine andere Lösung gefunden werden kann und muss“, sagte der IG-Metall-Sprecher in NRW, Wolfgang Nettelstroth, dem Tagesspiegel. Bisher habe der Konzern jedoch nichts dazu beigetragen, dass die Angelegenheit zufriedenstellend geklärt werde. „Nokia ist dabei, nicht nur soziale Verantwortung, sondern auch Glaubwürdigkeit zu verspielen“, sagte Nettelstroth.

Bei einem Treffen europäischer Arbeitnehmervertreter von Nokia ist es am Mittwoch unterdessen zu Unstimmigkeiten gekommen. Vertreter der IG Metall zeigten sich „enttäuscht“ über die mangelnde Solidarität ihrer finnischen Kollegen, sagte die Betriebsratsvorsitzende von Nokia Bochum, Gisela Achenbach. Daher verließen sie aus Protest den Raum. Die Finnen hätten nicht ausreichend Unterstützung signalisiert, sagte Achenbach.

Der Europäische Metallgewerkschaftsbund (EMB) hatte die Arbeitnehmervertreter von den Nokia-Standorten nach Brüssel eingeladen, um über europaweite Protestaktionen zu beraten. Die Gewerkschafter konnten sich aber nur auf eine außerordentliche Sitzung der Betriebsräte vor der nächsten Nokia-Aufsichtsratssitzung am 28. Februar einigen.

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