Wirtschaft : Nokia: Der finnische Konzern verunsichert die Börse

hst/som

Mit großer Verunsicherung haben am Dienstag die Investoren den Jahresbericht des finnischen Telekommunikationskonzerns Nokia aufgenommen. Zwar konnte der Weltmarktführer bei Handys seinen Reinerlös gegenüber 1999 um 53 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro und den Umsatz um 54 Prozent auf 30,4 Milliarden Euro steigern, doch korrigierte der Konzern seine Wachstumsprognosen für das erste Quartal 2001 nach unten.

Nunmehr geht der Branchenprimus von einem Wachstum bei Mobiltelefonen von 25 bis 30 Prozent aus. Noch im Dezember hatte Nokia ein Plus von 30 bis 35 Prozent prognostiziert. Für das gesamte Jahr 2001 bleibt der Konzern jedoch bei seiner bisherigen Prognose eines 25- bis 35-prozentigen Zuwachses. Ebenso wie die Konkurrenten Motorola und Ericsson revidierte auch Nokia seine Prognose für den globalen Mobiltelefonmarkt. War das Unternehmen bisher von 550 Millionen verkaufter Handys im Jahr 2001 ausgegangen, rechnen die Finnen jetzt mit 500 bis 550 Millionen Einheiten.

Die Nokia-Aktie verteuerte sich nach Veröffentlichung der Jahreszahlen zunächst um 7,5 Prozent, brach dann aber infolge des schlechteren Ausblicks um zehn Prozent gegenüber dem Vortageskurs ein. Später erholte sich der Wert wieder leicht. Sorgen bereiten Analysten neben der schlechteren Prognose auch die revidierten Gewinnspannen. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren bei seinen Handys immer mit Spannen von mehr als 20 Prozent überzeugt. Nokia-Chef Jorma Ollila sagte, dass sein Unternehmen "spätestens im vierten Quartal 2001" die Marge von 20 Prozent erreichen würde. Analysten werteten das als klare Verschlechterung und Zeichen eines zunehmenden Preisdrucks.

Die Mitteilung, dass der Gewinn je Aktie im ersten Quartal nicht höher als im Vorjahresvergleich ausfalle, "wirft einen Schatten auf den Markt", sagte Marshall Acuff von Salomon Smith Barney. "Nokia ist die Inkarnation für die Technologiewelt und verunsichert deshalb sogar mit jeder bereits bekannten Warnung die Märkte", kommentierte Kai Franke von der BHF-Bank die nervöse Reaktion an den Börsen. Noch mindestens zwei Wochen würden die Märkte durch pessimistische Unternehmensprognosen und einer Fülle von Gewinnwarnungen belastet. Der Grund: Das derzeit laufende Quartal wird mit dem sehr starken Vorjahresquartal verglichen, als die US-Wirtschaft um 7,9 Prozent gewachsen war.

Zusätzlich wurden die Märkte am Dienstag durch die Ankündigung Nokias verunsichert, ein eigentlich bereits für Sommer 2001 erwartetes Mobiltelefon für den schnelleren Übertragungsstandard GPRS erst im dritten Quartal dieses Jahres auf den Markt zu bringen.

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