Wirtschaft : Nokia: Der Konzern schockt die Märkte

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Der Weltmarktführer auf dem Handymarkt, der finnische Konzern Nokia, hat überraschend eine Gewinn- und Umsatzwarnung für das zweite Quartal dieses Jahres ausgegeben und damit für erneute Turbulenzen an den Aktienmärkten gesorgt. Der Kurs der Nokia-Aktie brach in Helsinki um über 20 Prozent ein und riss die gesamte Technologie-Branche mit. Zum Schluss notierte das Papier mit 27,30 Euro. Die Aktie des schwedischen Konkurrenten Ericsson gab um mehr als acht Prozent nach, Siemens büßte über vier Prozent ein.

Der finnische Konzern, der bislang dem Abwärtstrend der Branche trotzen konnte, rechnet für das zweite Quartal nur noch mit einer Umsatzsteigerung von etwas weniger als zehn Prozent. Bislang hatte Nokia ein Plus von 20 Prozent prognostiziert. Der Gewinn je Aktie werde statt der zuvor erwarteten 0,20 Euro jetzt nur noch 0,15 bis 0,17 Euro erreichen, erklärte ein Nokia-Sprecher.

Als Begründung für die Gewinnwarnung gab der Konzern "den allgemeinen konjunkturellen Rückgang in den USA" an, der sich nun auch auf andere Regionen übertragen habe. Mit einer leichten Erholung rechnet Nokia im zweiten Halbjahr. Trotz der niedrigeren Erwartungen für das zweite Quartal glaubt der Konzern weiter an einen Ausbau seines Marktanteils bei Handys, der zuletzt bei knapp 40 Prozent lag.

Die Telekom-Analystin Helena Nordman-Knutsson von Öhman Fondkommission in Stockholm ist besonders beunruhigt, weil Nokia "zwischen den Zeilen auch von Problemen in seinem Netzwerk-Bereich spricht". Zwar betonte Nokia-Chef Ollila, dass das Unternehmen bei den Mobilfunknetzen mindestens im Takt des Marktes wachsen könne. Noch vor kurzem hatte Nokia aber erklärt, man wolle schneller als der Markt wachsen und als langfristiges Ziel einen Netzwerk-Marktanteil von 35 bis 40 Prozent anvisiert.

Jetzt macht Nokia einen gebremsten Ausbau der Netzwerkkapazitäten für die Korrektur verantwortlich. Nokia hatte die Konjunkturschwäche bisher besser überstanden als die größten Mitbewerber Ericsson, Motorola und Siemens. Während die Konkurrenz schon zu Beginn des Jahres Gewinnwarnungen ausgab und überwiegend Verluste schreibt, hielten die Finnen an ihren Prognosen weitestgehend fest und verdienen auch jetzt noch Geld mit ihren Handys.

Telekommunikationsanalysten hatten allerdings schon vor zwei Monaten vor einer auch für Nokia schwierigeren Marktlage gewarnt, da der Konzern den überwiegenden Teil seines Umsatzes mit Handys macht. Kritisch äußerten sich Experten über das Verhalten von Nokia-Chef Jorma Ollila. "Er hatte erst vor einem Monat auf einem Analystentreffen betont, dass der Konzern bei seinen Erwartungen bleibe. Jetzt hat definitiv der Ruf von Nokia als ein Unternehmen mit zuverlässigen Prognosen gelitten", sagte Telekom-Analyst Wranne von Fischer Partners in Stockholm. Wranne geht von weiteren Gewinnwarnungen anderer Telekommunikationskonzerne aus. Der schwedische Ericsson-Konzern erklärte dagegen, dass "viele der Faktoren, die Nokia jetzt nennt, von uns schon im April aufgegriffen wurden". Auch Siemens bleibt bei seiner Anfang des Monats bereits revidierten Prognose.

Auch Intel belastet

Belastet wurde der Markt auch durch den Chiphersteller Intel. Das Unternehmen äußerte sich pessimistischer als noch vor wenigen Tagen. Zwar zögen die Verkäufe von PC und Mobiltelefonen in der zweiten Jahreshälfte "traditionell" an, sagte Intel-Chef Craig Barret. Ob dies auch dieses Jahr passiere, sei aber noch nicht abzusehen. Der französischen Tageszeitung "Le Monde" sagte Barret, die Lage sei unübersichtlich.

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