Wirtschaft : Nokia gibt einen düsteren Ausblick

Marktführer bei Handys hat weniger umgesetzt und verdient – und sieht Profitabilität weiter unter Druck

Corinna Visser

Berlin - Nokia hat im zweiten Quartal erneut Marktanteile verloren. Der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen ist auch für die zweite Jahreshälfte wegen des harten Wettbewerbs pessimistisch. Bereits im vergangenen Quartal hatte Nokia mit Rabatten auf die schwindenden Marktanteile reagiert. Nun soll es weiter gezielte Preissenkungen geben. Das wird Folgen für das Ergebnis haben. „Als Resultat erwarten wir, dass unsere Profitabilität in der zweiten Jahreshälfte weiter unter Druck kommen wird“, sagte Nokia- Chef Jorma Ollila bei der Vorlage der Quartalszahlen in Helsinki. Anders als der Marktführer überraschte der Konkurrent Sony-Ericsson am Donnerstag mit Quartalszahlen, die deutlich über den Erwartungen lagen.

Anleger reagierten mit massiven Verkäufen auf die Zahlen und den enttäuschenden Ausblick von Nokia. Nokia-Aktien verloren an den Börsen in Stockholm und Frankfurt am Main zeitweise mehr als 15 Prozent und sanken auf den tiefsten Stand seit fast sechs Jahren.

45,5 Millionen Handys verkaufte Nokia im abgelaufenen Quartal. Alle Hersteller zusammen haben in dem Zeitraum weltweit 148 Millionen Handys verkauft, schätzt Nokia. Demnach lag der Marktanteil der Finnen nur noch bei 31 Prozent, nach 32 Prozent im ersten Quartal. Vom ursprünglichen Ziel, einen Marktanteil von 40 Prozent zu erreichen, entfernt sich das Unternehmen immer mehr. Die Analysten vom Marktforscher Gartner sahen den Marktanteil Nokias zuletzt sogar bereits bei unter 30 Prozent.

„Früher war Nokia immer ganz vorn, wenn es darum ging, neue Modetrends zu setzen. Diese Rolle hat Nokia inzwischen verloren“, sagt Analyst Norbert Kretlow von Independant Research. So sei Nokia zwar rechtzeitig mit Fotohandys auf dem Markt gewesen, habe den Trend zu Klapphandys aber verpasst. Zudem sei die Produktpalette von Nokia deutlich älter als die anderer Hersteller, sagt Kretlow. Das drückt auch auf den durchschnittlichen Verkaufspreis. Der habe bei Nokia im vergangenen Quartal bei 91,80 Euro gelegen, im Vorjahresquartal waren es noch 134,50 Euro.

Während der Quartalsumsatz von Nokia im Vergleich zum Vorjahresquartal insgesamt um fünf Prozent schrumpfte, ging er in der Sparte Mobiltelefone sogar um 13 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zurück. Bei Sony-Ericsson geht es dagegen weiter aufwärts: Im ersten Quartal verkaufte das japanisch-schwedische Gemeinschaftsunternehmen 8,8 Millionen Handys, im zweiten Quartal bereits 10,4 Millionen. Dabei erzielte Sony-Ericsson deutlich höhere Verkaufspreise – nach eigenen Angaben im Schnitt 145 Euro. Sony-Ericsson sei vor allem in Japan stark, wo hochwertige und kostspielige Geräte sehr gefragt seien, sagte ein Sony- Ericsson-Sprecher dem Tagesspiegel.

Im vierten Quartal will Nokia eine Reihe neuer Modelle auf den Markt bringen. „Da wird sich zeigen, ob es Nokia gelingt, wieder Trends zu setzen und damit den Markenwert und die Gewinne zu steigern“, sagt Analyst Kretlow.

Dass Nokia zuvor weiter an der Preisschraube drehen will, könnte den deutschen Konkurrenten Siemens stärker unter Druck setzen. Siemens sei traditionell bei günstigen Einsteigerhandys stark, sagte Gartner-Analystin Carolina Milanesi dem Tagesspiegel. Sie erwartet, dass Siemens die Zahl der verkauften Handys im Vergleich zum ersten Quartal nicht habe steigern können. Das würde einen Rückgang des Marktanteils im zweiten Quartal bedeuten. Für das Gesamtjahr erwartet Gartner, dass weltweit mehr als 600 Millionen Handys verkauft werden.

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