Wirtschaft : Nokia rutscht tiefer in die Krise Gerüchte um Übernahme durch Microsoft

Helsinki - Das Dementi von Nokia dürfte den Spekulationen kein Ende setzen. Der finnische Handyhersteller gilt nach einer drastischen Gewinnwarnung und einem Aktiencrash als angeschlagen. Ein Medienbericht über einen 19 Milliarden Dollar schweren Verkauf ihrer Handysparte an den US-Softwarekonzern Microsoft dementierten die Finnen. „Diese Gerüchte sind hundert Prozent haltlos“, sagte ein Nokia-Sprecher. Die Webseite bgr.com hatte zuvor unter Berufung auf einen Brancheninsider berichtet, dass sich beide Seiten auf den milliardenschweren Deal geeinigt hätten. Microsoft wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Die Nokia- Aktie, die am Dienstag um 17 Prozent und am Mittwoch zeitweise um zehn Prozent eingebrochen war, fiel am Donnerstag erneut um zwei Prozent.

Nokia rutscht somit immer tiefer in die Krise. Der einst unangefochtene Marktführer verkauft wegen der scharfen Konkurrenz nicht mehr so viele Telefone, wie bislang erhofft und zog deshalb am Dienstag zum Schrecken der Anleger seine Prognosen für das Gesamtjahr zurück. In seinem zunehmend verzweifelten Kampf gegen den Abstieg aus der Topliga der Handy-Hersteller hatte Nokia erst Ende April den Abbau von 7000 Stellen angekündigt. Zudem schmiedete Nokia vor kurzem eine Handysoftware-Allianz mit Microsoft. Smartphones mit Microsoft-Betriebsystem sollen das Ruder auf dem boomenden Markt der Alleskönner-Mobiltelefone herumreißen, auf dem Apple mit seinem Trendsetter-Handy iPhone sowie Geräte mit der Google-Software Android den Takt vorgeben.

Branchenexperten zweifeln jedoch an den Erfolgsaussichten dieses Plans. Der Nokia-Marktanteil verringerte sich im ersten Quartal auf 29 Prozent nach 33 Prozent ein Jahr zuvor. Beim Handy-Gesamtumsatz hat Apple Marktforschern zufolge Nokia inzwischen überholt, obwohl Nokia bei der Zahl der verkauften Geräte weiter die Nase vorn hat. Tsp/rtr

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