Wirtschaft : Nokia rutscht tiefer in die Miesen

Handyhersteller macht erneut Milliarden-Verlust im Quartal. Aber Geld ist noch genug da.

Corinna Visser/mit rtr

Berlin - Nokia hat die Wende noch lange nicht geschafft. Im abgelaufenen Quartal machte der finnische Handyhersteller einen operativen Verlust von 826 Millionen Euro. Unter dem Strich stand sogar ein Minus von 1,4 Milliarden Euro – fast viermal soviel wie im Vorjahresquartal. Vor allem Das Handygeschäft läuft immer noch schleppend. Nokia verkaufte in den Monaten April bis Juni 83,7 Millionen Geräte, fünf Prozent weniger als im Jahr zuvor. Schlimmer noch: Nur gut zehn Millionen der verkauften Geräte waren Smartphones, mit denen sich gutes Geld verdienen lässt. Hier gingen die Verkäufe sogar um fast 40 Prozent zurück. Zum Vergleich: Samsung und Apple verkaufen im Quartal regelmäßig 35 bis 40 Millionen Smartphones. Immerhin verkaufte Nokia vier Millionen Geräte der Lumia-Serie, die mit dem Microsoft System Windows Phone 7 laufen. Die Partnerschaft mit Microsoft ist eine der Maßnahmen, die Nokia zurück auf die Erfolgsspur bringen sollen.

Das zweite Quartal sei schwierig gewesen, räumte Nokia-Chef Stephen Elop ein. Der Umsatz brach im Vergleich zum Vorjahresquartal um 19 Prozent auf gut 7,5 Milliarden Euro ein. Die Mitarbeiter arbeiteten hart daran, das Unternehmen durch die Übergangsperiode zu steuern, sagte Elop. Nachdem bereits 14 000 Jobs weggefallen sind, hatte Nokia Mitte Juni ein weiteres drastisches Sparprogramm mit dem Abbau von weiteren 10 000 Arbeitsplätzen angekündigt. Unter anderem wird der Forschungsstandort von Nokia in Ulm geschlossen. Die Verhandlungen über die Schließung des Standorts seien schneller verlaufen als erwartet, sagt Elop. Ende 2011 hatte Nokia weltweit noch 130 000 Mitarbeiter. In Berlin arbeiten 600 Mitarbeiter für das Unternehmen.

Experten nahmen mit Erleichterung auf, dass Nokia sein Geld zuletzt zusammenhielt. Mit Barmitteln von 4,2 Milliarden Euro hatten die meisten nicht mehr gerechnet. „Es gab einen kleinen Hoffnungsschimmer, der Barmittelbestand war besser als erwartet und das war eine wichtige Nachricht, die die Märkte beruhigt hat“, sagte Analyst Mikael Rautanen von Inderes. An der Frankfurter Börse legten die Nokia-Titel zeitweise knapp 19 Prozent zu. Corinna Visser/mit rtr

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