Wirtschaft : Nokia-Siemens-Networks auf Gewinnkurs

Trotz des holprigen Starts hält das Unternehmen, das in Berlin 2000 Mitarbeiter beschäftigt, an seinen Wachstumszielen fest

Pia Gr,-Ludwig

München - Der Chef des neuen Netzwerkausrüsters Nokia-Siemens-Networks, Simon Beresford-Wylie, hält die Zweifel von Marktbeobachtern an der Zukunft des Joint Ventures für unbegründet. Der späte Start des Unternehmens habe keinerlei Nachteile gebracht. Nokia Siemens Networks habe in den letzten Monaten mehr Kunden gewonnen als verloren und keine Marktanteile abgeben müssen, sagte Beresford-Wylie im Gespräch mit dem „Handelsblatt“.

Nokia-Siemens-Networks war wegen der Korruptionsvorwürfe gegen Siemens erst zum 1. April und damit drei Monate später an den Start gegangen als ursprünglich geplant. Deshalb hatten sich Experten überwiegend skeptisch zu den Aussichten des Gemeinschaftsunternehmens geäußert. So weist etwa das schwedische Marktforschungsunternehmen Redeye darauf hin, dass das Joint Venture wegen der Integration der beiden Sparten Schwächen am Markt in Kauf nehmen müsse. Das wiederum könne ein Vorteil für den fusionierten Wettbewerber Alcatel Lucent sein, der mit der Integration früher beginnen konnte.

Doch Beresford-Wylie will sich davon nicht beirren lassen und an seiner Gewinnprognose festhalten. „In den ersten zwölf gemeinsamen Monaten wollen wir einen zweistelligen operativen Millionengewinn ausweisen. Das haben wir nicht geändert“, sagte er. Beim allgemeinen Marktwachstum hatte er dagegen vor kurzem die Erwartungen gedämpft. Aus einem „geringen“ hatte er ein „sehr geringes“ Wachstum gemacht. Dies hatte die Märkte zusätzlich verunsichert.

Zum geplanten Stellenabbau nannte Beresford-Wylie keine Details. Nokia-Siemens will in den kommenden Monaten bis zu 9000 seiner 60 000 Arbeitsplätze streichen und von 2010 an jährlich 1,5 Milliarden Euro sparen. Für ein Gespräch mit dem deutschen Betriebsrat gibt es laut Beresford-Wylie noch keinen Termin. Er wolle zunächst die Diskussion über das künftige Portfolio abwarten, bevor er Entscheidungen darüber fälle, welche Standorte wie viel Personal einsparen müssten, sagte der Manager. Allein in Berlin wechselten 2000 frühere Mitarbeiter von Siemens in das neue Unternehmen. Sie haben unter anderem an der Entwicklung der Mobilfunktechnik UMTS gearbeitet.

Für Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Oppenheim, „ist ein Abbau im Bereich Mobilfunk am wahrscheinlichsten, da gibt es die größten Überlappungen zwischen Siemens und Nokia.“ Auch den Verkauf von Teilbereichen hält der Experte für möglich. Ungeachtet dessen sieht Georg Nassauer, der Gesamtbetriebsratschef, in der Fusion weiterhin eher eine Chance als eine Bedrohung: „Siemens war zu langsam und hat viele Entwicklungen verschlafen“, sagte er.

Beresford-Wylie wies auf die schwierigen Rahmenbedingungen für die Branche hin. So würden die Netzbetreiber immer häufiger die Infrastrukturen gemeinsam nutzen. Das betreffe Großbritannien, einige andere europäische Länder sowie Indien, jedoch derzeit noch nicht die USA. Dan Bieler vom Marktforscher IDC bestätigt diesen Trend. Er werde allen Konkurrenten zu schaffen machen.

Nokia-Siemens-Networks ist weltweit der drittgrößte Netzausrüster hinter Ericsson und Alcatel Lucent. Im wichtigen US-Markt ist das Unternehmen aber nur Nummer sechs. Doch dafür will Beresford-Wylie mit einem anderen Pfund wuchern: der Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern Nokia bei Endgeräten. Man habe hier eine sehr enge Allianz, sagte er. Schließlich halte Nokia einen Anteil von 50 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen und habe ein starkes Interesse daran, dass auch Nokia-Siemens-Networks einen guten Stand am Markt habe. (HB)

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