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Nokia Siemens Networks : Schließung von Siemens-Tochter kostet Jobs in Berlin

Für die Mitarbeiter wird es kein frohes Fest. Nokia Siemens Networks streicht hunderte Arbeitsplätze und verkauft Sparten - auch in der Hauptstadt. Die harte Sanierung ist noch nicht ausgestanden.

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Einige hundert Mitarbeiter demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben bei NSN in München.
Einige hundert Mitarbeiter demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben bei NSN in München.Foto: dpa

Der anhaltend harte Sanierungskurs beim Netzwerkausrüster Nokia Siemens Network (NSN) dürfte nun rund 1000 Mitarbeiter der Dienstleistungssparte NSN-Services treffen. Sie müssen um ihre Jobs bangen. Der angeschlagene finnisch-deutsche Konzern kündigte am Mittwoch das Aus für die in Nürnberg beheimatete Tochter bis Ende des kommenden Jahres an. Betroffen sind demnach alle 16 Standorte bundesweit. In Berlin trifft das Aus nach Angaben der Gewerkschaft Verdi rund 200 Mitarbeiter. Drei Viertel von ihnen seien im Außendienst tätig, würden aber über die Hauptstadt gesteuert. NSN wollte sich dazu vorerst nicht äußern. Man gebe keine Mitarbeiterzahlen an einzelnen Standorten bekannt, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel.

Als Grund für die bevorstehende Schließung gelten gescheiterte Gespräche mit der Deutschen Telekom über einen Wartungsvertrag. Die Telekom habe 49 Millionen Euro angeboten, NSN habe aber auf 56 Millionen Euro beharrt, hieß es aus Teilnehmerkreisen. „Wegen sieben Millionen Euro verlieren 1000 Menschen ihren Job“, sagte ein Teilnehmer. „Wir sind alle vor den Kopf gestoßen.“ Das Management sei nach der Bekanntgabe gleich wieder abgereist. NSN-Deutschland-Chef Hermann Rodler kündigte an, nun mit den Arbeitnehmervertretern zu sprechen, „um die Situation für ihre Mitarbeiter zu klären“.

Verdi übte scharfe Kritik an der Unternehmensführung. Wenn man es über Jahre hinweg nicht schaffe, ausreichend neue Kunden zu gewinnen und zu drei Vierteln von der Telekom abhängig sei, spreche das entweder für ein unfähiges Management, sagte der Konzernbetreuer der Gewerkschaft, Mike Döding, dem Tagesspiegel. „Oder man denkt dort, dass man das Unternehmen nach einer Schamfrist von fünf Jahren nun dichtmachen kann.“ NSN hatte die Sparte, die vor allem Kommunikationsnetze wartet, damals von der Telekom übernommen. Der Bonner Konzern habe dem neuen Eigentümer sogar noch 500 Millionen Euro mitgegeben, sagte Döding. NSN rechtfertigt sich mit anhaltenden Verlusten „in einem Geschäftsbereich, der nicht zum Kerngeschäft“ gehöre. NSN will sich künftig nicht mehr aufs Festnetz-, sondern aufs mobile Breitbandgeschäft konzentrieren.

Insgesamt will NSN 17 000 von weltweit 74 000 Jobs abbauen. Am Montag hatte der Konzern angekündigt, seine Glasfasersparte mit weltweit 1900 Mitarbeitern – und 700 in Berlin-Spandau – an Marlin Equity zu verkaufen.

NSN hatte öfter die Nokia-Quartalszahlen mit Verlusten verhagelt. Dem Konzern machen eine schwache Nachfrage nach Telekommunikationsausrüstung und die Konkurrenz durch günstige Anbieter wie Huawei aus China zu schaffen. (mit dpa)

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