Wirtschaft : Nokia verkauft viele Handys – und verdient zu wenig

Der Aktienkurs des größten Handyherstellers der Welt bricht um mehr als elf Prozent ein / Der Preisdruck lässt die Marge schrumpfen

Corinna Visser

Berlin - Der weltgrößte Handyhersteller Nokia hat im zweiten Quartal weniger verdient als erwartet und blickt auch weniger optimistisch als erhofft in die Zukunft. Das hat an der Börse am Donnerstag für eine böse Überraschung gesorgt. „Unser Ziel bleibt, 2005 schneller als der Markt zu wachsen und Marktanteile zu gewinnen“, kündigte Nokia-Chef Jorma Ollila an. Doch der Kurs der Aktie brach nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen zeitweise mehr als elf Prozent ein. Bis zu Börsenschluss verlor die Aktie im elektronischen Handel in Frankfurt mehr als zehn Prozent auf 13,17 Euro.

Dabei hat Nokia in den Monaten April bis Juni sogar mehr Handys ausgeliefert als erwartet, nämlich 60,8 Millionen Stück (plus 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal). Wegen des enormen Preisdrucks auf dem Markt sank jedoch der Durchschnittspreis der verkauften Mobiltelefone auf 105 Euro. Im zweiten Quartal 2004 habe der Durchschnittspreis noch bei 108 Euro, im ersten Quartal 2005 sogar bei 110 Euro gelegen, teilte Nokia mit. Der Trend zu billigeren Geräten werde im weiteren Jahresverlauf anhalten. Es sind vor allem die aufstrebenden asiatischen Hersteller wie zum Beispiel LG Electronics, die den Druck auf die Preise erhöhen.

Nokias stärkster Konkurrent, der US-Konzern Motorola, ist jedoch offenbar besser mit den verschärften Konkurrenzbedingungen auf dem Markt zurechtgekommen. Motorola lieferte von April bis Juni 33,9 Millionen Handys aus, ein Plus von 40,6 Prozent zum Vorjahr. Dabei konnte Motorola seinen weltweiten Marktanteil nach eigenen Angaben auf 18 Prozent ausbauen. Der Abstand zum Marktführer Nokia bleibt dennoch enorm. Nokia beziffert seinen Marktanteil nun mit 33 Prozent, im vorangegangenen Quartal waren es 32 Prozent.

Im zweiten Quartal steigerte Nokia den Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 25 Prozent auf 8,06 Milliarden Euro und den Gewinn um 15 Prozent auf 799 Millionen Euro. Während die operative Marge bei dem Marktführer jedoch von 13,7 Prozent im Vorjahr auf nun 12,5 Prozent sank, hatte der US-Konkurrent Motorola die Marge stabil bei zehn Prozent halten können.

Mit Mobiltelefonen erwirtschaftete Nokia nach wie vor den Großteil des Gewinns. Doch während der Quartalsumsatz im Handybereich um ein Fünftel auf 4,86 Milliarden Euro stieg, verringerte sich der operative Gewinn des Bereichs um zwei Prozent auf 789 Millionen Euro. Die anderen Geschäftsbereiche von Nokia sind Netztechnik, Multimedia und Lösungen für Unternehmen. Für das dritte Quartal erwartet Nokia nun einen Gewinn je Aktie zwischen 0,14 und 0,17 Euro nach 0,18 Euro im zweiten Quartal und einen Umsatz von 7,9 Milliarden bis 8,2 Milliarden Euro. Dieser verhaltene Ausblick sorgte für den Absturz der Aktie.

Weil die Auslieferungen gestiegen sind, erhöhte Nokia jedoch seine Branchen-Prognose für die Zahl der weltweit verkauften Handys im laufenden Jahr von 740 auf 760 Millionen Stück. Das Marktforschungsunternehmen Gartner hatte am Vortag sogar mitgeteilt, es sei mit 779 Millionen verkauften Mobiltelefonen im laufenden Jahr zu rechnen.

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