Wirtschaft : Nokia verkauft weniger, verdient aber mehr

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Berlin (vis). Nokia hat im zweiten Quartal 2002 deutlich weniger umgesetzt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dafür hat der finnische Handyhersteller und Mobilfunkausrüster allerdings mehr verdient, als Analysten prognostiziert hatten. Nokia erwartet weiterhin schwierige Marktbedingungen. „Auch im weiteren Jahresverlauf werden gesamtwirtschaftlich harte Bedingungen vorherrschen. Wir fühlen uns durch unsere starke Position im Wettbewerb befähigt, die Industrie in die nächste Wachstumsphase der mobilen Kommunikation zu führen“, sagte Nokia-Chef Jorma Ollila. Der weltgrößte Handyproduzent rechnet für das zweite Halbjahr mit einem Umsatzwachstum von drei bis zehn Prozent. Damit präzisierte Nokia seine erst Ende Juni gesenkte Prognose von bis zu zehn Prozent Zuwachs.

Die gesamte Branche der Handyhersteller und Ausrüster von Mobilfunknetzen steckt zur Zeit in einer tiefen Krise. Die Nachfrage nach Handys ist längst nicht mehr so groß wie in den Boomjahren 2000 und 2001. In Europa nähern sich die Märkte sogar der Sättigungsgrenze. Hier haben fast alle Menschen schon ein Handy. Nokia und die anderen Hersteller hoffen, dass die Einführung neuer Datendienste – wie etwa dem Versenden von Bildern per Handy – den Absatz wieder ankurbeln wird. Als Mobilfunkausrüster haben Nokia, Ericsson und andere auch die großen Telekommunikationsfirmen als Kunden. Doch die schieben fast alle hohe Schuldenberge vor sich her und fahren harte Sparprogramme. Daher drücken sie bei ihren Lieferanten die Preise oder verschieben ihre Aufträge auf später.

Nokias Umsatz ging im zweiten Quartal 2002 um sechs Prozent auf 6,9 Milliarden Euro zurück und lag damit unter den Erwartungen der Analysten. Im gleichen Quartal des Vorjahres hatte Nokia noch 7,3 Milliarden Euro umgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahresquartal setzte Nokia von April bis Juni 2002 mit Mobiltelefonen ein Prozent mehr um (5,4 Milliarden Euro). Die Umsätze in der Netzwerksparte brachen dagegen um 22 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro ein. Dafür legte das Betriebsergebnis um elf Prozent auf 1,26 Milliarden Euro zu. Im zweiten Quartal stieg der Proforma-Gewinn je Aktie auf 0,19 Euro von 0,17 Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt 0,18 Euro erwartet.

Nokia-Chef Jorma Ollila sagte, er gehe davon aus, dass Nokia seinen weltweiten Marktanteil im Jahr 2002 über dem Niveau des Vorjahres werde halten können. Damals lag Nokia mit 37 Prozent Marktanteil vor allen anderen Handyherstellern in der Welt. Im zweiten Quartal 2002 lag der Nokia-Marktanteil nun bei 38 Prozent. Nummer zwei im Markt ist der amerikanische Hersteller Motorola mit einem Marktanteil von 18 Prozent. Motorola erwartet für das Jahr einen Umsatzrückgang um fünf bis zehn Prozent und hatte Anfang Juni den Abbau von 7000 Arbeitsplätzen angekündigt.

Nokia sei gut gerüstet, um die Branche in die nächste Wachstumsphase zu führen, sagte Ollila. Mit Eintritt in das zweite Halbjahr beobachte er einen Nachfragewandel hin zu Multimedia-Produkten mit Farbdisplays. Die Tendenz gehe zu höherwertigen Mobiltelefonen bei Geschäftsleuten und Privatkunden, um die neuen Kommunikationsmöglichkeiten wahrnehmen zu können.

Der Gesamtabsatz von Mobiltelefonen aller Anbieter werde mit rund 400 Millionen Geräten am unteren Ende der bisher erwarteten Spanne von 400 bis 420 Millionen Mobiltelefonen liegen. Dies wäre aber immer noch ein Anstieg von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nokia verkaufte im zweiten Quartal mit 36 Millionen Handys zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Börse strafte die verhaltene Prognose des Marktführers für Gewinn und Handy-Absatz im Gesamtjahr mit einem Minus von mehr als fünf Prozent auf 13,48 Euro für die Nokia-Aktie ab. Nokia kündigte für das gesamte Jahr einen Gewinn je Aktie von 0,79 bis 0,84 Euro an. Bisher waren 0,83 Euro erwartet worden. Im ersten Halbjahr war der Gewinn pro Aktie um neun Prozent auf 0,33 Euro gestiegen.

Nokia erwartet im dritten Quartal 2002 wegen ihrer Kreditfinanzierung für Mobilcom einen Sonder-Abschreibungsaufwand. Nokia hat Mobilcom 752 Millionen Euro für den Aufbau des UMTS-Mobilfunknetzes zur Verfügung gestellt. Mobilcom ist zurzeit um Restrukturierung seiner Finanzen bemüht. Aus diesem Grund würden beide Unternehmen zur Zeit Verhandlungen führen, die laut Nokia auch eine Kredit-Umschuldung beinhalten könnten. Zur möglichen Höhe der Abschreibung machte Nokia keine Angaben.

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