Wirtschaft : Nokia: Weltgrößter Mobiltelefonhersteller überrrascht die Branche mit Gewinn

Der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen, die finnische Nokia Oyi, hat trotz eines Gewinnrückgangs im zweiten Quartal die Erwartungen von Analysten leicht übertroffen, aber einen verhaltenen Ausblick auf die kommenden Monate abgegeben. Der Vorsteuergewinn in den Monaten April bis Juni sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro (rund 2,28 Milliarden Mark) oder 0,17 Euro je Aktie gesunken, teilte Nokia am Donnerstag mit. Die Pro-Forma-Ausschüttung lag damit über den Erwartungen von Mitte Juni, als der Handy-Produzent eine Gewinnwarnung abgegeben hatte. Analysten hatten einen Vorsteuergewinn von 1,09 Milliarden Euro erwartet.

Nokia ist damit unter den führenden Firmen der Branche die Einzige, die noch Gewinne erwirtschaftet. Für das dritte Quartal erwartet Nokia indes geringere Gewinne als zuletzt. Analysten äußerten sich zum zweiten Quartal zufrieden, zeigten sich aber verunsichert über den weiteren Verlauf der Geschäfte. Die Nokia-Aktie stieg deutlich an.

Den Netto-Umsatz steigerte Nokia im zweiten Quartal um fünf Prozent auf 7,35 Milliarden Euro. Der Konzern erzielte rund siebzig Prozent dieser Erlöse aus dem Handy-Geschäft. Nokia bekräftigte die Absicht, in diesem Jahr einen Anteil von 40 Prozent am weltweiten Mobilgeräte-Markt zu erreichen.

Im laufenden dritten Quartal werde mit einem Ergebnis je Aktie zwischen 14 und 16 Cents gerechnet, was einem Rückgang zum Vorquartal von rund sechs bis 18 Prozent entsprechen würde. Im vierten Quartal werde wieder mit einem etwas besseren Wert gerechnet, hieß es, ohne dass jedoch genaue Angaben gemacht wurden.

Analyst Lars Soderfjall von Handelsbanken sagte, die Anleger hätten schlechte Nachrichten erwartet, aber der Nokia-Bericht sei besser als gedacht ausgefallen. "Der Ausblick ist schwach, gibt aber im Grunde nur den Zustand der Weltwirtschaft wieder." "Es hätte schlimmer sein können", sagte auch Angela Dean von Morgan Stanley Dean Witter. Allerdings hätten die Umsätze etwas enttäuscht, vor allem im Bereich Netzwerke. Thomas Langer von der WestLB zeigte sich ebenso wie andere Analysten enttäuscht, dass es keinen konkreten Ausblick für das vierte Quartal gab. Zu den mit Spannung erwarteten Prognosen für die Handy-Branche im restlichen Jahresverlauf hieß es in der Zwischenbilanz nur, die derzeitige "Unsicherheit" werde bis zum Jahresende anhalten. Weiter meinte die Nokia-Führung: "Fehlende Transparenz erlaubt uns keine Wachstumsprognose für das vierte Quartal". Motorola (USA) als zweitgrößter Handy-Produzent vor Siemens (Deutschland) und Ericsson (Schweden) hatte bei der Vorstellung der eigenen Halbjahres-Bilanz bereits einen Trendschwenk nach oben für die zweite Jahreshälfte prognostiziert.

Der Aktienkurs des finnischen Konzerns reagierte auf die Veröffentlichung der Quartalszahlen zunächst mit einem Sprung von mehr als fünf Prozent, fiel dann jedoch wieder etwas zurück und tendierte zur Mittagszeit noch rund vier Prozent höher bei 21,05 Euro.

Nach den häufigen Gewinnwarnungen vieler internationaler Technologiekonzerne und Telekom-Ausrüster waren die Zahlen des Branchenprimus Nokia mit Spannung erwartet worden. Die beiden Konkurrenten Ericsson und Philips haben aufgrund der schwierigen Marktlage für Mobilfunkgeräte bereits angekündigt, ihre eigenständige Handy-Produktion aufgeben zu wollen. Ericsson will am Freitag Quartalszahlen vorlegen. Die Schweden hatten März angekündigt bis zum Jahr 2002 jährlich 35 Milliarden Kronen sparen zu wollen. Die Mobiltelefone sollen künftig nicht mehr in Schweden sondern bei einem Unternehmen in Singapur gefertig werden.

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