Wirtschaft : Non-Stop zu Siemens und Disneyworld Von Frankfurt geht es jetzt direkt nach Orlando

Juliane Schäuble

Orlando/Berlin - Thorsten Schwarzer ist begeistert. „Bislang mussten wir von Orlando über Washington und Frankfurt zurück nach Berlin fliegen“, erzählt der Siemens-Manager und lehnt sich entspannt in seinem Sitz zurück. An diesem Tag fliegt er von Orlando in neun Stunden direkt nach Frankfurt am Main, und zwei Stunden später dann weiter nach Berlin. Insgesamt geht das knapp vier Stunden schneller – fast schon Luxus, für jemanden, der wie Schwarzer ständig durch die Weltgeschichte jettet.

Seit Ende Oktober verbindet die Lufthansa als einzige Fluggesellschaft Kontinentaleuropa mit Orlando: sechs Mal die Woche Non-Stop vom Lufthansa-Drehkreuz in die hierzulande vor allem als touristisches Ziel bekannte Stadt im Zentrum Floridas. Dass die Lufthansa ihre Streckenstrategie nach eigenen Angaben vor allem an den Bedürfnissen der Geschäftsreisenden ausrichtet, ist dabei nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Denn Greater Orlando Area, wie die Region um die Zwei-Millionen-Stadt heißt, ist längst mehr als „nur“ Disneyworld, Universal Studios und Cape Canaveral mit seinem Kennedy Space Center, dem Weltraumbahnhof der Nasa. Auch wenn 50 Millionen Touristen im Jahr durchaus ein Wirtschaftsfaktor sind.

Seit vier, fünf Jahren boomt die Greater Orlando Area – und gilt mittlerweile als eine der dynamischsten Regionen in den USA. Angesiedelt haben sich schon mehr als 3800 Hochtechnologiefirmen, angefangen vom Rüstungsunternehmen Lockheed Martin und Advanced Laser Systems Technologies über den weltgrößten Hersteller von Computerspielen Electronic Arts (Umsatz: 27 Milliarden Dollar), bis zu Siemens Power Generation, der Kraftwerkssparte des Münchner Konzerns.

Die Hightech-Industrie, darunter auch etliche Biotech- und Medizintechnikfirmen, steuert zum gesamten Bruttosozialprodukt der Region von 65 Milliarden Dollar rund ein Viertel bei. Hier steht das zweitgrößte Kongresszentrum der USA und mit der University of Central Florida die sechstgrößte Uni des Landes. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei 34 Jahren.

Auch deutsche Unternehmen haben die Region entdeckt: Schon mehr als 200 Firmen haben in der Gegend einen Ableger. Sie beschäftigen rund 20 500 Menschen. Zudem arbeiten alleine für die US-Firma Lockheed Martin, seit 51 Jahren in Orlando, rund 80 Deutsche.

Immer wieder sei die Lufthansa vor allem von Siemens auf eine Direktverbindung angesprochen worden, erzählt Karl Ulrich Garnadt, Mitglied des Bereichsvorstands der größten deutschen Fluggesellschaft. Aber damit sich eine neue Langstrecke wie die nach Orlando für die Lufthansa rechnet, müssen die Flüge im Schnitt zu mindestens 80 Prozent ausgelastet sein. „Wir sind zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen. Sonst wären wir nicht hierhergekommen“, sagt Garnadt. Am Siemens-Standort Orlando arbeiten rund 4000 Menschen. „Viele von ihnen werden diesen Flug nutzen“, sagt der Berliner Siemensianer Schwarzer. Natürlich hätte auch er lieber eine Direktverbindung von Berlin nach Orlando, doch sei das derzeit leider kein Thema.

Noch sind von den 36 Millionen Reisenden, die den Flughafen Orlando nutzen, nur 2,1 Millionen internationale Passagiere, von denen die meisten Chartermaschinen nutzen. Aber das soll sich ändern. „Wir wollen noch internationaler werden“, sagt Buddy Dyer, der Bürgermeister der Stadt Orlando. Durch die Lufthansa stünden ihnen nun etwa 90 neue Flugziele in Europa, Afrika und Asien offen.

Verändert hat sich schon die Zusammensetzung der Passagiere. Waren in den 80er Jahren nur ein Viertel der am Orlando International Airport ankommenden Fluggäste Geschäftsreisende, sind es mittlerweile schon 50 Prozent. Und das, obwohl die Themenparks wie Disneyworld oder Sea World ihr Angebot ständig erweitern. Mit dem Harry-Potter-Themenpark eröffnet 2009 ein weiterer Publikumsmagnet. Für die zusätzlichen Gäste sorgt man am Flughafen Orlando bereits vor: An vier ausgewählten Flugsteigen kann der Airbus A 380 landen – das mit 555 Sitzplätzen größte Passagierflugzeug der Welt.

Juliane Schäuble

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