Wirtschaft : Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, gibt eine optimistische Prognose ab

Daniel Rhée-Piening

Dass sich mit Aktien gutes Geld verdienen lässt, hat sich längst herumgesprochen. Dass dies angesichts der Ebbe in den Kassen der Rentenversicherung auch dringend notwendig ist, ist ebenfalls der Mehrheit der Anleger bekannt, und so sehen sich die Banken einem wachsenden Informationsbedarf gegenüber. Dieser kommt ihnen gelegen, denn er bindet die Kunden an das Institut und gibt dem Geldhaus die Möglichkeit, seine Beraterqualitäten ins rechte Licht zu rücken.

Auch die Deutsche Bank in Berlin packte die Gelegenheit beim Schopf. Am Dienstagabend bat sie Kunden und Interessierte ins Hauptgebäude Unter den Linden, zu einem Vortrag ihrer Chefvolkswirtes Norbert Walter. Thema des Abends: "Die Aktie im Jahr 2000". Wer gekommen war, dürfte vom Erfolg der Aktie längst überzeugt gewesen sein - der Reiz lag eher in der Person des Referenten. Dennoch tut Werbung für Beteiligungskapital not, denn der Meinungsumschwung der deutschen Anleger liegt noch nicht weit zurück.

Bis 1995 gaben die Bundesbürger noch mehr Geld für Bananen als für Aktien aus, wie Walter gleich zu Beginn feststellte. Er sparte nicht mit Lob für Manfred Krug, "der für die Aktie mehr getan hat als unsere Vorstände". Doch weil bekanntlich nicht alles Gold ist, was glänzt, fehlte es auch nicht an Warnungen. Er sei froh über die "kalte Dusche" durch die starken Kursrückgänge am Neuen Markt, sagte Walter. Bei vielen Anlegern hätte sie den Verstand wieder zur Geltung gebracht. Schließlich seien Renditen, wie sie in den vergangenen Jahren erreicht wurden, nicht für alle Zukunft zu erwarten. "Es gibt kein Unternehmen, das pro Jahr 20 Prozent Performance erwirtschaften kann", stellte Walter klar.

Dennoch malte er insgesamt ein recht positives Bild. Sicherlich werde es noch manchen Rückschlag an den Aktienmärkten geben. Wegen des schwachen Euros sei zu Beginn des kommenden Jahres auch ein kleiner Ölpreisschock zu befürchten. Walter zeigte sich dennoch sicher, dass ein breiter Kapitalstrom in Aktien fließen werde. Langsam erkenne der Anleger, dass es wenig sinnvoll sei, in Immobilien in einem "sterbenden Land", in dem die Geburtenrate immer weiter zurückgehe, oder in Bundesanleihen, "aus denen Sozialleistungen finanziert werden", zu investieren.

Das Altersvorsorgesystem sei "bankrott", aber in der kommenden Legislaturperiode werde es mit Sicherheit eine Reform geben. Das wiederum werde den Aktienmärkten zugute kommen. Genauso sicher ist sich der Chefvolkswirt, dass es zu Reformen bei der Einkommensteuer kommen wird. Schon wegen der voraussichtlich sinkenden Einkommensteuerbelastung erscheine die Anlage in Immobilien dann tendenziell weniger attraktiv, was sich positiv auf die Dividendenpapiere auswirken werde.

So hält Walter einen Dow-Jones-Index von mindestens 15 000 Punkten bis zum Jahr 2007, wie ihn der Börsenkenner und Ex-Deutsch-Banker Heiko Thieme vorausgesagt hat, für eine extrem konservative Schätzung. Doch auch hier die Warnung vor unerwarteten Entwicklungen: Die USA hätten zwar einen robusten Wachstumsprozess, aber auch dort wüchsen die Bäume nicht in den Himmel. Daher könne es zwischenzeitlich zu Rückschlägen kommen. Selbst einen vorübergehenden Rückgang des US-Börsenbarometers auf unter 10 000 Zähler mochte Walter nicht ausschließen. Und so folgte der Ratschlag, einen Anlagehorizont von mindestens zwei bis drei Jahren zu wählen, noch besser seien sogar fünf Jahre, riet der Volkswirt.

Der deutschen liebstes Anlage-Kind sind die Immobilien, auch wenn damit gerade in den Neuen Ländern in den vergangenen Jahren viel Geld verloren wurde. Walters Erklärung: "70 Prozent der Westdeutschen, haben die von ihnen erworbenen Immobilien in den Neuen Ländern vorher nicht gesehen." Dabei gelte als Entscheidungskriterium für den Immobilienmarkt der Grundsatz: Lage, Lage Lage.

In Deutschland sei der Markt durch Subventionen in der jüngsten Vergangenheit auf Jahre hinaus verzerrt, es gebe nur wenige Chancen in diesem Bereich im Jahr 2000. Der Chefvolkswirt empfiehlt, sich nach Investitionsmöglichkeiten in anderen Euro-Ländern umzusehen. Doch sollten potenzielle Investoren mit ihrer Anlageentscheidung nicht zu lange warten, sonst steckten sich andere die guten Renditen in die Tasche.

Warten wollten einige der Zuhörer offensichtlich wirklich nicht und hätten deshalb zum Schluss gerne noch konkrete Tipps bekommen. Doch da hofften sie vergebens. Und schließlich sollte ein Makroökomon, als der sich Walter vorgestellt hatte, ja auch nicht zu sehr ins Detail gehen. Wofür gibt es die persönliche Beratung beim Geldhaus?

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