Wirtschaft : Nordeuropa hat eine zukunftsträchtige Aktienlandschaft

OSKAR H.METZGER

Länderfonds lassen deutsche Anleger am guten Kurspotential skandinavischer und baltischer Papiere teilhabenVON OSKAR H.METZGER

Vorsichtige Börsianer suchen bereits nach Anlagechancen für die Zeit nach der deutschen Aktienhausse.Sie wollen auf mehreren Anlagebeinen stehen und Risiken einzelner Märkte minimieren.Dabei fällt ihr Blick nach Nordeuropa, wo sich eine zukunftsträchtige Aktienlandschaft präsentiert. So hat der DIT Deutscher Investment-Trust in Frankfurt (Main) im November vergangenen Jahres seine Länderfondspalette mit dem DIT-Dresdner Nordeuropa vervollständigt.Damit solle dem Anleger die Möglichkeit geboten werden, "von dem von uns erwarteten überdurchschnittlichen Kurspotential der Aktienmärkte Nordeuropas zu profitieren".Der DIT-Nordeuropa hat von seiner Auflegung bis Ende Juni dieses Jahres um 37,2 Prozent zugelegt.Der ebenfalls breiter anlegende DWS Skandinavien gewann 34,8 Prozent.Die mehr in aussichtsreiche Einzelwerte investierenden Fonds profitierten von der Sonderkonjunktur bei Ericsson und Nokia.So legte der MSCI Nordic P.I.um 41,9 Prozent zu und Fidelity Nordic um 41,2 Prozent, während es der Frontrunner Scandin lediglich auf 24,3 Prozent brachte. Nicht immer standen die skandinavischen Aktienmärkte bei den Anlegern hoch im Kurs.Eine schwere Rezession zu Anfang der 90er Jahre sowie der desolate Zustand der öffentlichen Haushalte in Schweden und Dänemark führten dazu, daß die Gelder der Investoren 1990 bis 1993 nicht den Weg in skandinavische Aktien fanden.Dies änderte sich 1993 schlagartig, als mehrere Belastungsfaktoren verschwanden.Begünstigt durch die Währungsabwertung kehrten die Volkswirtschaften auf einen robusten Wachstumspfad zurück.Vor diesem Hintergrund konnten die Börsen seit 1993 stark zulegen.Trotzdem haben viele deutsche Anleger die Aktien skandinavischer Unternehmen noch nicht für sich entdeckt. Nach dreijähriger tiefer Rezession setzte auch in Finnland 1994 eine deutliche Konjunkturerholung ein.Das Wirtschaftswachstum wird seitdem gleichermaßen getragen.Es zeigt trotz einer für 1997 erwarteten Zunahme von über 4 Prozent keine Anzeichen einer Überhitzung; die Inflationsrate liegt unter 2 Prozent.Finnland ist das einzige Land Nordeuropas, das voraussichtlich beim Start der Europäischen Währungsunion von Anfang an dabei sein wird.Dafür sind enorme Anstrengngen unternommen worden. Nach einer Analyse von DIT-Fondsmanager Jens Wilhelm partizipiert Finnland mit seinen zyklischen Unternehmen aus den Bereichen Grundstoffe und Maschinenbau überdurchschnittlich von dem sich abzeichnenden Wirtschaftsaufschwung in Europa.Finnische Unternehmen würden ebenfalls in besonderem Maße von den sich öffnenden Märkten Osteuropas und dort vor allem des Baltikums profitieren.Die Unternehmensgewinne sollten daher nach der Prognose von Wilhelm "1997 mit 21,7 Prozent und 1998 mit 26,1 Prozent noch einmal deutlich zulegen".Deshalb erscheine der Markt unterbewertet.Seit ihrer Unabhängigkeit von der damaligen UdSSR im Jahre 1991 haben sich die baltischen Staaten sehr schnell zum Westen hin geöffnet und umfassende Reformen durchgeführt.Der Handel wurde liberalisiert und die Preise freigegeben.Seit Mitte 1992 erfahren alle drei Länder eine Phase politischer und wirtschaftlicher Stabilisierung.Finnland, Schweden und Deutschland haben Rußland inzwischen als wichtigste Handelspartner des Baltikums abgelöst.Trotzdem wurden die baltischen Staaten stark vom wirtschaftlichen Niedergang ihres ursprünglich größten Marktes Rußland betroffen.Das Baltikum wird heute oft auch als das Tor zum russischen Markt bezeichnet. In Skandinavien findet man nach den Worten von Wilhelm eine Vielzahl von Unternehmen, die sich aufgrund ihres kleinen Binnenmarktes nicht nur im europäischen, sondern auch im weltweiten Maßstab hervorragend positioniert hätten und somit wie Ericsson, Nokia und Sandvik zu den führenden Adressen in ihren Bereichen gehören würden.Vom erwarteten Wirtschaftsaufschwung in Europa sollten skandinavische Unternehmen, wie prognostiziert wird, "überdurchschnittlich profitieren".Um aber auch die "sehr interessanten Anlagemöglichkeiten" im Baltikum zu nutzen, habe man die Möglichkeiten geschaffen, daß der DIT-Dresdner Nordeuropa bis zu 30 Prozent des Fondsvermögens in den baltischen Aktienmarkt investieren könne. Nachdem per Ende Juni 1997 diejenigen Fonds die Nase leicht vorne hatten, die sich verstärkt auf aussichtsreiche Einzelwerte spezialisiert hätten, sieht Wilhelm jetzt Nachholbedarf für die breiter anlegenden Vehikel von DIT und DWS.Der breite Markt hinke etwas hinter den exzellenten Einzelwerten her.Die Lücke werde sich aber, da ist Wilhelm zuversichtlich, wieder schließen.

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