Nordic-Werft involviert : Subunternehmen sollen Werftarbeiter mies behandelt haben

Weder Wasser noch Brot, erbärmliche Unterkünfte und kein Lohn – an der Küste werden mehr als 100 ausländische Arbeiter nach Gewerkschaftsangaben wie der letzte Dreck behandelt.

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Der Seehafen macht Wismar als Standort für Werften attraktiv.
Der Seehafen macht Wismar als Standort für Werften attraktiv.Foto: dpa

In Groß Zieten bei Wismar „haben wir menschenunwürdige Bedingungen vorgefunden“, teilte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Donnerstag mit. Die Firma habe ihre Leute in einer Arbeiterunterkunft, „in der das Wasser in den Zimmern steht, ohne Geld, ohne Essen und Trinken einfach zurückgelassen“. Gewerkschafter und Betriebsräte hätten die Betroffenen, darunter 25 Griechen, mit Lebensmitteln versorgt.

Der Fall erinnert an die Meyerwerft in Papenburg, in deren Umfeld im vergangenen Jahr zwei Werkvertragsarbeiter bei einem Brand in einer Massenunterkunft ums Leben gekommen waren. Als Konsequenz daraus hatten sich IG Metall und Werft auf einen Tarifvertrag geeinigt, der den Einsatz der mehr als 1000 Werkvertragsarbeitnehmer reguliert.

Auch jetzt ist mit der Nordic-Werft in Wismar wieder ein Schiffbauunternehmen involviert. Aber nicht die Werft selbst, sondern Subunternehmen sind verantwortlich. Bei Paan Industrieservice sollen die Arbeiter beschäftigt gewesen sein, gearbeitet haben sie aber offenbar bei der Krebs Korrosionsschutz in Räumen auf dem Gelände der Werft, also womöglich auch für die Werft.

"Das ist nur die Spitze des Eisbergs"

„Diese Praktiken zeigen, dass dem Werkvertragsunwesen mit Auftragsketten an Sub-Sub-Unternehmen ein Riegel vorgeschoben werden muss“, meint Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord. Die Firma habe den betroffenen Arbeitern die Konten sperren lassen, so dass diese nicht an Geld kämen.

„Das alles ist nur die Spitze des Eisbergs“, meinte Schlüter. Die Politik müsse das Instrument der Scheinwerkverträge ebenso verbieten wie die „ausbeuterischen Praktiken durch Subunternehmen“. Ein Schutz der Arbeiter könne nach Einschätzung des DGB darin bestehen, dass künftig Betriebsräte mitbestimmen, „ob und zu welchen Konditionen Werkvertragsarbeitnehmer“ angestellt werden.

Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD heißt es dazu, die Regierung wolle den „Missbrauch von Werkvertragsgestaltungen verhindern“. Wie das genau passieren soll, ist noch offen.

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