NordLB : Und plötzlich ist man Großaktionär

Wie kommt man aus Versehen zu 13 Millionen Aktien? Darüber rätselt die Finanzbranche. Anlass ist der Fall NordLB, die wider Willen zum Großaktionär geworden ist.

Stefan Kaiser

Berlin - Die Landesbank hat angeblich im Auftrag eines Kunden große Aktienpakete an drei Firmen gekauft, darunter der Handyzulieferer Balda. Insgesamt soll die Bank 100 Millionen Euro für die Aktienpakete ausgegeben haben, die sie nun nicht mehr loswird. Denn der Kunde will die Aktien nicht mehr. Seit die NordLB sie gekauft hat, haben sie deutlich an Wert verloren.

Experten fragen sich, wie der Landesbank dieses Desaster passieren konnte. „Man häuft doch nicht über drei Monate etwas an, wenn man nicht weiß , ob man es wieder loswird“, wundert sich ein Händler einer deutschen Großbank. „So etwas darf nicht passieren“, sagt auch Wolfgang Gerke, Präsident des bayerischen Finanzzentrums in München.

Dass Banken größere Aktienpakete für Kunden kaufen, ist durchaus üblich. „Normalerweise wird aber ein Rahmenvertrag geschlossen und vereinbart, dass einmal in der Woche oder sogar jeden Abend gekaufte Aktien an den Kunden übertragen werden“, erklärt ein Händler. „Gerade bei so einem Kunden“ hätte man doch vorsichtig sein müssen.

Der Kunde der NordLB soll Gerüchten zufolge der in Berlin ansässige Finanzinvestor Vatas sein. Dessen Geschäftsführer Lars Windhorst gilt in der Branche als gebranntes Kind, seit er nach einem frühen und spektakulären Aufstieg Insolvenz anmelden musste und einen Schuldenberg hinterließ. Im vergangenen Jahr kam Windhorst als Vatas-Geschäftsführer zurück. Doch er scheint auch derzeit kein glückliches Händchen bei seinen Investments zu haben. Die Firma hält nach älteren Angaben unter anderem 22 Prozent am Telekomunternehmen Freenet und 18,6 Prozent an Air Berlin. Die Freenet-Aktie hat seit dem Einstieg von Vatas mehr als die Hälfte ihres Werts verloren, die Air-Berlin-Aktie rund 40 Prozent.

Die NordLB will die Identität des Kunden nicht bestätigen und hält sich auch sonst bedeckt. Zu Kundenvorgängen könne man nichts sagen, teilte ein Sprecher mit. „Wir sind im Gespräch, und unser Ziel ist es, dass der Kunde die Aktien, die er bestellt hat, abnimmt.“ Ob die Bank andernfalls rechtliche Schritte erwäge, wollte der Sprecher nicht sagen.

Eine Klage wäre nur dann möglich, wenn die Bank tatsächlich vertraglich vereinbart hat, dass der Kunde die Aktien abnimmt. Genau dies ist aber bisher unklar. „Wenn es keinen Kontrakt gibt, ist es eindeutig die Schuld der Bank“, sagt Finanzexperte Gerke. Die NordLB hatte am Mittwoch einen Händler entlassen – wegen „interner Regelverletzungen und Kompetenzüberschreitungen“. Stefan Kaiser

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