Nordsee-Bestände erholen sich : Fisch wird deutlich teurer

Kunden mussten für Fisch 2015 tiefer in die Tasche greifen. Die Preise erhöhten sich trotz mehr Fischbestand und höheren Fangquoten.

Daniel Mosler
Gute Heringsfänge stehen 2015 schlechten Dorscherträgen gegenüber. Die Fischer bilanzieren ein eher durchwachsenes Jahr.
Gute Heringsfänge stehen 2015 schlechten Dorscherträgen gegenüber. Die Fischer bilanzieren ein eher durchwachsenes Jahr.Foto: dpa

Viele Kunden werden es bereits bei ihren Weihnachtseinkäufen bemerkt haben: Die Preise für Fisch und Meeresfrüchte sind in den vergangenen Monaten teilweise deutlich angestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, erhöhten sich die Preise für Fisch und Fischwaren im November 2015 um 16,3 % gegenüber 2010. Bereits im Jahr 2014 lagen die Preise für Fisch und Fischwaren um 13,1 % höher als im Jahr 2010.

Relativ moderat stiegen dagegen die allgemeinen Verbraucherpreise an. Kunden mussten hier rund sieben Prozent mehr auf den Tisch legen. Besonders deutlich zeigte sich dieser Trend im Monat November. Während die allgemeinen Verbraucherpreise nur um 0,4 Prozent zulegten, verteuerte sich Fisch um im Schnitt 2,7 Prozent. Die Preise für frischen und tiefgefrorenen Fisch zogen sogar um 4,7 Prozent an, die für geräucherte Fischwaren um 3,8 Prozent.

Fischnachfrage ungebrochen

Die Nachfrage nach Fisch ist weiter ungebrochen. Pro Kopf und Jahr wurde 2014 in den Industrienationen im Schnitt 15 Kilogramm Fisch verzehrt - rund 500 Gramm mehr als noch im Vorjahreszeitraum. Auch in Schwellenländern steigt der Fischkonsum an. Dieser liegt jedoch noch niedriger als in den Industrienationen.

Nordsee-Bestände erholen sich

Die Preiserhöhungen kommen fast zeitgleich mit der Meldung, dass sich die Fischbestände in EU-Gewässern teilweise deutlich erholt haben. Insbesondere in der Nordsee dürfen deutsche und europäische Fischer im kommenden Jahr bis zu 40 Prozent mehr Fisch fangen. Neben dem Schellfisch (+40 Prozent) darf vor allem mehr Kabeljau (+15 Prozent) und Hering (+16 Prozent) gefangen werden.

Der Deutsche Fischerei Verband führt dies auf eine nachhaltigere Bewirtschaftung der Fanggründe zurück. Besonders erfreulich ist nach Einschätzung der Experten die Bestandsentwicklung des Kabeljau: Es gebe hier deutliche Anzeichen für eine nachhaltige Erholung. Wissenschaftler empfehlen bereits jetzt eine Quotenerhöhung und prognostizieren eine vollständig nachhaltige Bewirtschaftung bereits im Jahr 2017.

Lachsbestand und Nordseekrabben bereiten Sorgen

Kopfzerbrechen bereiten den Experten dagegen die Bestände von Lachs und Krabben in der Nordsee. Trotz nachhaltiger Bewirtschaftung seien die Fangquoten so niedrig, dass einzelne Fischkutter im kommenden Jahr stillgelegt werden müssten. Die Seelachsfischerei in der Nordsee war die erste deutsche Fischerei mit Nachhaltigkeitszertifizierung. Dies schütze allerdings nicht vor natürlichen Bestandsschwankungen, so der Deutsche Fischerei Verband weiter.

Gedämpfte Stimmung herrscht auch bei den Krabbenfischern: Trotz guter Vorzeichen wie niedriger Dieselpreise, wenigen Sturmtage und einer hohen Verbrauchernachfrage blieben die Fangquoten hinter den Erwartungen zurück. Im Schnitt müssten Betriebe mit zehn Prozent weniger Umsatz auskommen, erklärte der Deutsche Fischerei Verband. Der Preis für Nordseekrabben stieg auf im Schnitt 2,60 Euro je Kilo im Einkauf.

Mittelmeer stark überfischt

Die EU-Kommission ist insbesondere wegen der Lage im Mittelmeer und im Schwarzen Meer besorgt. Dort seien nahezu alle Fischbestände massiv überfischt, insbesondere jedoch die Bestände, die hauptsächlich oder ausschließlich von Marktteilnehmern aus der EU bewirtschaftet werden.

Nur 8,6 Prozent aller Fischereibetriebe hätten sich hier den entsprechenden EU-Richtlinien für eine nachhaltige Fischereiwirtschaft verpflichtet. 96 Prozent aller Fischbestände sind daher überfischt. Die Fischsterblichkeit liegt sechsmal höher als der von der EU empfohlene Wert.

Wichtig sei daher eine bessere Koordination von Fangquoten und eine strengere Kontrolle der Fangbetriebe. Einen entsprechenden Bericht will die Kommission im Herbst kommenden Jahres vorlegen.

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