Wirtschaft : Nordsee: Fisch-Restaurantkette sagt Börsengang ab

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Europas größte Fisch-Restaurantkette Nordsee geht nicht wie angekündigt am 2. Juli an die Börse. Angesichts des sich "rapide verschlechternden Marktes für Neuemissionen" habe sich Nordsee zusammen mit dem von UBS Warburg geführten Bankenkonsortium zu diesem Schritt entschlossen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Erst am Dienstag hatte der Börsenkandidat die Zeichnungsfrist für den für Mittwoch geplanten Gang an das Kleinwertesegment Smax verlängert, das Emissionsvolumen gekürzt und die Aktien zu einem deutlich unter der ursprünglichen Preisspanne liegenden Festpreis von 15 Euro angeboten.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) befürchtet, dass die Nordsee-Absage nur die "Spitze des Eisbergs" ist. Vorstandsmitglied Markus Straub sagte dem Tagesspiegel, es stünden "einige hundert Börsenkandidaten in den Startlöchern", die wegen der schlechten Börsenstimmung ihre IPO-Pläne zurück gestellt hätten. Wegen des drohenden Imageverlusts nach einer Absage, hätten viele Firmen ihr Vorhaben noch nicht öffentlich kommuniziert.

Der Nordsee-Vorstand gab sich am Donnerstag gleichwohl optimistisch: Die "sehr positiven Reaktionen", die Nordsee in den vergangenen Wochen von Investoren erfahren habe, hätten die ehrgeizigen Börsenpläne mehr als bestätigt, erklärte das Unternehmen. "Es liegt jedoch weder im Interesse des Unternehmens noch in dem der bisherigen und künftigen Aktionäre, wenn sich aufgrund der schlechten Marktverfassung der faire Wert des Unternehmens im Sekundärhandel nicht von Beginn an widerspiegeln würde", hieß es in der Mitteilung. Angaben zu einem neuen Termin machte das Unternehmen nicht. Offenbar waren im Unternehmen Bedenken aufgekommen, dass institutionelle Anleger sich zu schnell wieder von den Aktien trennen könnten.

Ein mit der Emission vertrauter Investmentbanker sagte am Donnerstag, die Nachfrage nach der Nordsee-Aktie sei zwar qualitativ ausreichend gewesen, um den Börsengang zu verwirklichen. Im Augenblick liege es aber nicht im Interesse der bisherigen und künftigen Aktionäre, den Börsengang zu realisieren. Nach diesen Angaben war die Emission nicht so überzeichnet, dass von einem "gesunden Handel" nach dem Börsengang hätte ausgegangen werden können.

SdK-Vorstandsmitglied Straub sagte, die Absage eines Börsengangs während der Zeichnungsfrist sei nicht ungewöhnlich und aus Anlegersicht unproblematisch. Jeder Anleger, der bei seiner Bank einen Zeichnungsauftrag abgebe, kenne den Verkaufsprospekt. Dort sei festegelegt, dass eine Aktie "vorbehaltlich der erfolgreichen Börseneinführung" auch tatsächlich zugeteilt werde. Schadenersatzansprüche für entgangene Gewinne könnten folglich nicht geltend gemacht werden. Ein generelles Urteil über die Qualität eines Unternehmens nach einem angesagten IPO sei schwer zu fällen, sagte Straub. "Ein gutes Unternehmen kann auch in einem schwierigen Umfeld an die Börse gehen." Aber: "Auch ein Unternehmen, das sich die Verschiebung seines Börsengangs erlauben kann, muss nicht unsolide sein."

Zwei Börsenaspiranten - der Softwareanbieter Brainlab und der Holzmaschinenhersteller Lignum - halten ungeachtet des Nordsee-Rückzugs an ihren Börsengängen fest. Beide bekräftigten am Donnerstag ihre Zeitpläne. Die Lignum-Erstnotiz ist für den 4. Juli im Smax vorgesehen, Brainlab will einen Tag später an den Neuen Markt gehen.

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