Wirtschaft : Nordsee: Kommentar: Ein Gewinn für die Aktienkultur

Daniel Rhee-Piening

Die Fisch-Restaurantkette Nordsee hat ihren Börsengang abgesagt. Dies ist nicht ehrenrührig. Im Gegenteil, der Schritt ist mutig und verdient Beifall, auch wenn er möglicherweise nicht ganz uneigennützig erfolgt ist. Schließlich wurde den Alteigentümern nachgesagt, sie hätten mit dem Verkauf von Anteilen vor allem das eigene Bankkonto füllen wollen. Dies wollte nicht so recht gelingen, denn gerade an der Börse bilden sich die Preise nach Angebot und Nachfrage, und die Nachfrage war nicht groß genug. Auch die zunächst angekündigte Verschiebung, ein herabgesetzter Fixpreis für die Wertpapiere, und ein deutlich vermindertes Emissionsvolumen, lockten die Anleger nicht aus der Reserve. Die Kursentwicklung ist derzeit zu unsicher, die Erfahrungen mit dem ein oder anderen Papier vom Neuen Markt hat die Investoren zu Recht misstrauisch gemacht. Es bestand offenbar die Gefahr, dass sich insbesondere institutionelle Anleger sehr schnell wieder von der Aktie getrennt hätten. Leidtragende des Kursverfalls wären private Kleinanleger gewesen.

Der Börsengang zum ermäßigten Preis hätte zwar immer noch viel Geld in die Kassen der Alteigentümer gespült, anschließend aber der Reputation des Unternehmens und dem Markt insgesamt geschadet. Sehr schnell wären Nordsee aber auch die begleitende Emissionsbank in den Geruch der Abzocker gekommen. Die Aktienkultur in Deutschland wäre beschädigt worden. Andere Unternehmen, die den Börsengang planen, sollten sich ein Beispiel nehmen. Wer sich nicht fair bewertet fühlt, muss eben warten.

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