Wirtschaft : Norwegische Gruppe übernimmt MTW Wismar

Zweitprivatisierung ehemaliger Vulkanwerften abgeschlossen

BERLIN (dpa). Im Poker um die Zweitprivatisierung der ehemaligen Vulkan-Werften in Mecklenburg-Vorpommern sind die Würfel praktisch gefallen.Die MTW Schiffswerft GmbH Wismar soll nach dem Willen der Treuhand-Nachfolgerin BvS für 53 Mill.DM von der norwegischen Ulltveit-Moe-Gruppe übernommen werden.Dies habe der Verwaltungsrat der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) am Donnerstag in Berlin beschlossen.Zugleich segnete das Gremium, dem auch das Land Mecklenburg-Vorpommern angehört, den bereits beschlossenen Verkauf der Volkswerft Stralsund an den dänischen Konzern A.P.Moeller für 25 Mill.DM offiziell ab. Der norwegische Konzern habe im Vergleich zu der anderen Investorengruppe das insgesamt belastbarere Fortführungskonzept vorgelegt, was ihm ein finanziell erheblich besseres Übernahmeangebot ermögliche, erklärte die Treuhandnachfolgerin BvS.Ulltveit Moe wolle insgesamt 1700 Mitarbeiter beschäftigen, davon seien 1450 Stellen mit Vertragsstrafen belegt.Daneben hätten sich die Norweger zu einer Betriebsfortführungsgarantie von acht Jahren verpflichtet.Außer den Norwegern hatte eine deutsche Gruppe für MTW mitgeboten, der die Norddeutsche Vermögen Holding, der Hamburger Reeder Heinrich Schoeller, die Münchner Conti-Reederei und MTW-Manager angehören. Der Privatisierung der MTW-Werft muß noch die Schweriner Landesregierung zustimmen.Der Verkauf der Volkswerft an die dänische Gruppe A.P Moeller war hingegen bereits durch die Große Koalition in Mecklenburg-Vorpommern beschlossen worden.Die Zweitprivatisierung beider Werften muß insbesondere die EU-Kommission angesichts neuerlicher Subventionen von einer Mrd.DM genehmigen.Die Werften waren im Zuge der Vulkan-Pleite abgekoppelt und in die Ostsee-Beteiligungsgesellschaft überführt worden, an der die BvS und das Land beteiligt sind. Dem Privatisierungsvertrag zufolge wird MTW im Rahmen eines "Asset-Deals" von einer neugegründeten Käufer-GmbH erworben.Deren Geschäftsanteile würden vollständig von der Ulltveit-Moe-Holding UMOE AS gehalten.Die Wismarer Werft solle zum "Schiffbau-Kompetenzzentrum" der Gruppe entwickelt werden und sich zusätzlich in der Entwicklung und Produktion von Schwimmkörpern und Zubehör für Offshore-Projekte engagieren.Damit sollen laut BvS in Wismar 435 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.MTW erhalte so neben der Auslastung der von der EU vorgegebenen Kapazität von 100 000 CGT im Schiffbau ein ertragsstarkes zweites Standbein. Mit den für beide Standorte gewonnenen Partnern werde die Zukunft der für Mecklenburg-Vorpommern besonders wichtigen Industriestandorte in Wismar und Stralsund bestmöglich abgesichert, erklärte die BvS.Beide Investoren würden die Werften langfristig als international wettbewerbsfähige Unternehmen fortführen. Die Ulltveit-Moe-Gruppe erzielte mit 3300 Beschäftigten im Schiffbau sowie im Offshore-Geschäft einen Gruppenumsatz von umgerechnet 900 Mill.DM.Der dänische Konzern erzielte mit 30 000 Mitarbeitern einen Gruppenumsatz von umgerechnet 8,7 Mrd.DM. Auch die bereits von der Schweriner Regierung abgesegnete Privatisierung der Volkswerft erfolgt im Rahmen eines sogenannten Asset-Deals.Die Werft werde von einer neugegründeten Käufer-GmbH erworben, deren Geschäftsanteile zu 100 Prozent von der Odense Steel Shipyard gehalten werden.Der Vertragsentwurf sieht vor, rund 1170 Mitarbeiter zu beschäftigen.Davon seien durchschnittlich 800 Arbeitsplätze über mindestens fünf Jahre hinweg durch Vertragsstrafen abgesichert, hieß es.Daneben garantiert die Moeller-Tochter Odense den Betrieb mindestens sechs Jahre lang fortzuführen.

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