Notbremse : Krise zwingt Konzerne zu Stellenabbau

Die Krise fordert ihren Tribut: Immer mehr Unternehmen müssen Stellen abbauen, weil die bisher praktizierte Kurzarbeit nicht mehr ausreicht.

Düsseldorf - Der Weltmarktführer Heidelberger Druckmaschinen verdoppelt sein Sparprogramm und streicht 5000 der noch 20 000 Stellen. „Das wird ohne betriebsbedingte Kündigungen nicht gehen“, sagte Heideldruck-Chef Bernhard Schreier. Auch Konkurrent Koenig&Bauer zieht die Notbremse: Die Zahl der Mitarbeiter soll um 800 auf 7000 sinken, der Vorstandsvorsitzende Albrecht Bolza-Schünemann tritt zurück. Ebenfalls gestern teilte der Autozulieferer Mahle mit, dass er sein Werk in Alzenau mit 400 Mitarbeitern schließen wird.

Die Krise fordert ihren Tribut: Immer mehr Unternehmen müssen Stellen abbauen, weil die bisher praktizierte Kurzarbeit nicht mehr ausreicht. „Wenn sich die Nachfrage in nächster Zeit nicht belebt, besteht die Gefahr, dass es auf breiter Front zu einem Arbeitsplatzabbau kommt“, warnt Alexander Malkwitz von der Beratungsfirma AT Kearney. „Dies wird nicht nur den Autobereich und seine Zulieferer treffen, sondern auch die Stahlindustrie, die Metallverarbeitung und auch den Maschinen- und Anlagenbau.“

Bei den Herstellern von Textil- und Werkzeugmaschinen gehen die Aufträge rapide zurück. So hat der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister die Streichung von 200 Arbeitsplätzen angekündigt. Es endet ein eindrucksvoller Boom: Rund 120 000 Arbeitsplätze haben die Maschinen- und Anlagenbauer seit 2005 geschaffen. Doch seit Dezember sind die Auftragseingänge im Schnitt um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Die Strategieberatung Bain & Company sieht bis zu 50 000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Am schlimmsten ist die Autobranche betroffen. Pessimisten sehen jeden zweiten der gut 1500 Zulieferer vor dem Aus, das würde bis zu 100 000 Jobs bedrohen. Auch die Stahlindustrie kommt mit Kurzarbeit nicht mehr aus. Der deutsche Branchenführer Thyssen-Krupp baut 500 Stellen in der Verwaltung ab und 1000 in der Produktion. Salzgitter, die deutsche Nummer zwei, verdoppelt die Zahl der Kurzarbeiter auf 8000. HB

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